Berlin (epd). Psychische Belastungen durch Hitzewellen werden nach Einschätzung der Psychologin Katharina van Bronswijk bislang unterschätzt. „Wir assoziieren Hitze einfach eher noch mit Urlaub und Badespaß und weniger mit einer Lebensbedrohung, das müssen wir leider umlernen“, sagte die Sprecherin des Vereins Psychologists/Psychotherapists for Future im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Wenn Temperaturen deutlich jenseits der 30 Grad mehrere Tage anhielten, „versetzt das den Körper und die Psyche in Stress“.
Die Konzentration nehme ab, Menschen schliefen schlechter und reagierten häufiger gereizt. Studien zeigten zudem, dass an Hitzetagen die Zahl der Gewaltverbrechen steige und mehr Menschen Suizid begingen. „Das alles sind Hinweise darauf, dass wir bei Hitze schlechter darin sind, uns selbst und unsere Impulse zu regulieren“, sagte van Bronswijk. Besonders belastend sei Hitze für Menschen mit Erkrankungen wie bipolaren Störungen, Schizophrenien oder Demenzen. Viele Psychopharmaka verschlechterten die Fähigkeit des Körpers, sich an hohe Temperaturen anzupassen, darum seien „Betroffene doppelt verletzlich“.
Schnelle Hilfe nach Extremwetter ist entscheidend
Doch auch andere klimawandelbedingte Extremwetterereignisse können laut der Psychologin gravierende psychische Folgen haben. Nach Überschwemmungen oder Waldbränden litten viele Betroffene unter Belastungsstörungen, Depressionen oder Ängsten. Studien infolge der Ahrtal-Flutkatastrophe zeigten demnach, dass fast 30 Prozent der befragten Betroffenen eine posttraumatische Belastungsstörung entwickelt hatten.
Von politischer Seite werde jedoch bislang zu wenig in die Prävention vor klimawandelbedingten Extremwetterereignissen sowie deren Aufbereitung investiert, kritisierte van Bronswijk. Entscheidend für die Belastung sei nicht nur das Ausmaß der Katastrophe, sondern auch die Unterstützung danach. „Psychosoziale Unterstützung ist bei solchen Ereignissen essenziell“, betonte sie. In Deutschland sei die Notfallseelsorge jedoch weitestgehend ehrenamtlich organisiert und benötige dringend ein solides finanzielles Fundament.
Mit Blick auf steigende Temperaturen sei vor allem wichtig, „die Hitze ernstzunehmen“. Um Städte und ihre Bewohnerinnen und Bewohner dauerhaft widerstandsfähiger gegen Temperaturanstiege zu machen, plädierte die Psychologin für mehr Grünflächen. Stadtnatur fördere die psychische Gesundheit, reduziere Stress und schaffe Begegnungsorte. Grünflächen hätten daher eine „Dreifachwirkung als Begegnungsort, als Hitzeschutz und als psychischer Resilienzfaktor“.



