Unaids warnt vor Einschnitten bei der HIV-Bekämpfung

Unaids warnt vor Einschnitten bei der HIV-Bekämpfung
Im Kampf gegen Aids gab es in den vergangenen Jahrzehnten große Fortschritte. Doch die sind nun bedroht - denn international brechen Hilfsgelder weg.

Frankfurt a.M., Rio de Janeiro (epd). Die jahrelangen Fortschritte bei der Bekämpfung der Immunschwäche Aids sind laut den Vereinten Nationen bedroht. Zwar ist die Zahl der HIV-Infektionen und Aids-Toten auf dem niedrigsten Stand seit mehr als 30 Jahren. HIV-Programme stehen jedoch in vielen Ländern unter Druck, wie aus einem am Montag zur Welt-Aids-Konferenz in Rio de Janeiro veröffentlichten Unaids-Bericht hervorgeht. Darin verweist das UN-Programm insbesondere auf die Kürzung von Hilfsgeldern.

Internationale Mittel für HIV-Programme seien 2025 um mehr als 1,5 Milliarden auf 7,3 Milliarden US-Dollar gesunken, hieß es. Dies entspreche einem Rückgang um 18 Prozent im Vergleich zu 2024. Die Hilfsmittel seien damit auf dem niedrigsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten.

„Tiefgreifender Schock“

In dem Bericht sprechen die Fachleute von einem „tiefgreifenden Schock für die globale Gesundheitsfinanzierung“. Plötzliche Kürzungen destabilisierten die HIV-Bekämpfung in vielen Ländern.

Insgesamt hatten Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen laut dem Bericht im vergangenen Jahr 17,6 Milliarden Dollar für HIV/Aids-Programme zur Verfügung, mehr als eine Milliarde weniger als 2024. Ein noch stärkerer Einschnitt wurde demnach durch einen Aufwuchs bei den heimischen Mitteln verhindert. Allerdings warnte Unaids vor Grenzen, etwa aufgrund der hohen Staatsverschuldung. Beispielsweise investierten 28 afrikanische Länder mehr in die Tilgung von Schulden als ins Gesundheitswesen.

Unaids-Exekutivdirektorin Winnie Byanyima rief zu Reformen im Finanzsystem auf. Schulden müssten so umstrukturiert werden, dass Regierungen in das investieren könnten, was am meisten zähle - „Gesundheit, Bildung und die Zukunft ihrer Bevölkerung“.

1,2 Millionen Neuinfektionen

Laut den Daten des Berichts lebten vergangenes Jahr weltweit 41 Millionen Menschen mit einer HIV-Infektion. Etwa 1,2 Millionen Menschen haben sich demnach neu infiziert. 570.000 Menschen starben an den Folgen von Aids. 2010 noch lagen beiden Zahlen deutlich höher: Damals steckten sich 2,1 Millionen Menschen mit HIV an, 1,3 Millionen Menschen starben.