CSD-Attentäter: Deradikalisierung kam laut Experte zu spät

CSD-Attentäter: Deradikalisierung kam laut Experte zu spät
An diesem Montag hätte der mutmaßliche CSD-Attentäter sein entscheidendes drittes Vorgespräch für ein Deradikalisierungsprogramm gehabt. Dessen Geschäftsführer sah bei dem "sehr freundlich" auftretenden Mann Zweifel an der Eignung zur Teilnahme.

Berlin (epd). Dem mutmaßlichen Attentäter vom Berliner Christopher Street Day ist laut dem Geschäftsführer des Deradikalisierungsprogramms „Violence Prevention Network“ zu spät die Teilnahme an einem solchen Programm angeboten worden. „Wäre das mit 16 Jahren passiert, hätte man wahrscheinlich Erfolgschancen gehabt“, sagte Thomas Mücke am Montag im RBB-Hörfunk. In diesem Alter sei der mutmaßlich islamistisch motivierte Tatverdächtige bereits auffällig gewesen.

Der 21-Jährige habe im Juni und Juli bereits zwei Vorgespräche im Rahmen einer gerichtlichen Weisung beim „Violence Prevention Network“ gehabt. Laut Mücke ist der mutmaßliche Täter dort „sehr zurückhaltend, sehr freundlich, aber auch sehr angepasst in seinen Antworten“ gewesen. Auf bestimmte Themenbereiche wie seine Ideologie habe er sich kaum eingelassen.

Am Sonntag bei Zugriff erschossen

Mücke zufolge seien dadurch Zweifel an der Eignung für das Deradikalisierungsprogramm aufgekommen. Am Montag hätte der mutmaßliche Täter sein entscheidendes drittes Vorgespräch gehabt. Eine Ablehnung kommt laut Mücke nur in zwei Prozent der Fälle vor. Gleichzeitig sei es bei 490 „gefahrenrelevanten“ Teilnehmenden des Programms im Bereich Islamismus nur zu einem Rückfall gekommen.

Der mutmaßliche Attentäter war am Samstagabend während des CSD mit einem Van in eine Menschenmenge gefahren. Ein Mensch starb, 29 wurden zum Teil schwer verletzt. Der 21-Jährige war durch Straftaten, Radikalisierung und die Zugehörigkeit zur islamistischen Szene aufgefallen. Am Sonntagabend wurde der Tatverdächtige beim Zugriff eines Spezialeinsatzkommandos in Berlin-Spandau erschossen.