Niedersachsen: Umweltverbände rufen zur Mahnwache auf

Niedersachsen: Umweltverbände rufen zur Mahnwache auf
Nach der Genehmigung für die Erweiterung der Brennelemente-Fabrik in Lingen im Emsland rufen Umweltverbände zu Protesten auf. Der Einstieg des russischen Atomkonzerns Rosatom in die Brennelemente-Fertigung ist aus ihrer Sicht unverantwortlich.

Lingen (epd). Mehrere Umweltverbände rufen für Montag um 18 Uhr zu einer Mahnwache vor der Brennelemente-Fabrik im emsländischen Lingen auf. Anlass ist die Genehmigung des niedersächsischen Umweltministeriums für den Einstieg des russischen Atomkonzerns Rosatom in die Brennelemente-Fertigung in Lingen, wie die Verbände am Samstag mitteilten. Trotz massiver Proteste von Atomkraftgegnern und Bürgern und erheblicher eigener Bedenken hatte Umweltminister Christian Meyer (Grüne) am Mittwoch im Auftrag des Bundes unter Auflagen die Erweiterung der Brennelemente-Fabrik genehmigt.

Genehmigt wurde ein Antrag der Firma Advanced Nuclear Fuels (ANF), einer Tochter des französischen Framatome-Konzerns. ANF arbeitet in einem Joint Venture mit dem russischen Atomkonzern TVEL/Rosatom zusammen. Künftig sollen mit russischen Lizenzen und russischer Technik sechseckige Druckwasser-Brennelemente für den osteuropäischen Markt produziert werden.

Sicherheitsbedenken

Die Umweltverbände sprechen von einem unverantwortlichen Vorhaben. Sie fordern aus sicherheitspolitischen Erwägungen, den Einstieg von Rosatom im Emsland zu stoppen. Stattdessen müsse die Stilllegung der umstrittenen Uranfabrik in Lingen eingeleitet werden.

„Was uns sehr besorgt, ist die Tatsache, dass Niedersachsens Umweltminister Meyer offen zugibt, selbst er habe die Sicherheitseinschätzung der Bundesregierung aus Geheimhaltungsgründen gar nicht lesen dürfen“, sagte Matthias Eickhoff vom Aktionsbündnis Münsterland gegen Atomanlagen. „Ohne Kenntnis der Sicherheitseinschätzung kann der Antrag von Framatome doch gar nicht korrekt bewertet werden.“

Merz soll eingreifen

Bettina Ackermann von der Initiative „ausgestrahlt“ forderte: „Bundeskanzler Merz muss gegenüber Frankreichs Präsident Macron klare Kante zeigen und die Genehmigung zum Ausbau der Atomfabrik Lingen zurückziehen.“ Nach ihren Angaben haben mehr als 125.000 Menschen eine Online-Aktion von „ausgestrahlt“ gegen den Einstieg von Rosatom unterschrieben. An einem der Genehmigung vorausgegangenen Beteiligungsverfahren hatten sich knapp 11.000 Menschen mit Einwendungen beteiligt.