Neue Landesbeauftragte: Für Betroffene gibt es keine Grauzonen

Neue Landesbeauftragte: Für Betroffene gibt es keine Grauzonen
Viele gesellschaftliche Kräfte haben Missbrauch als ernstes Problem erkannt. In Rheinland-Pfalz will die bundesweit erste Landesbeauftragte gegen sexualisierte Gewalt dafür sorgen, dass den Erklärungen auch Taten folgen.
25.07.2026
epd
epd-Gespräch: Karsten Packeiser

Mainz (epd). In Rheinland-Pfalz hat mit Anette Diehl die bundesweit erste Landesbeauftragte gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen die Arbeit aufgenommen. Ihre Aufgabe sei es, darauf zu achten, dass die in den zurückliegenden Jahren verabredeten Schutzkonzepte und Maßnahmen auch umgesetzt werden, sagte sie in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). „Es geht auch darum, ein Gesicht für das Thema zu haben.“

Beim Kampf gegen Missbrauch sieht Diehl Fortschritte, aber auch bleibende Defizite. So seien die Ursachen für sexuelle Grenzverletzungen und Übergriffe durch gesellschaftliche Strukturen, die Machtmissbrauch fördern, nicht verschwunden, warnte sie. Ein „echter Rückschritt“ sei zudem das Auslaufen des „Ergänzenden Hilfesystems“, eines Fonds, der Missbrauchsopfer beispielsweise bei den Kosten für Therapien unterstützte.

Grenzverletzungen deutlich benennen

Andererseits hätten immer mehr Betroffene den Mut, sich zu Wort zu melden: „Dadurch gibt es mehr sichtbare Fälle.“ Während strafbarer sexueller Missbrauch einhellig verurteilt werde, sei dies bei weniger gravierenden Übergriffen noch nicht der Fall. Kinder und Jugendliche müssten daher darin bestärkt werden, Grenzen zu ziehen, auch in der Schule oder in Vereinen: „Für die Betroffenen sind das keine Grauzonen.“

Einrichtungen müssten dauerhaft Zeit und Ressourcen für Missbrauchsprävention aufwenden, forderte Diehl. Es reiche nicht aus, ein einziges Mal eine Fortbildung zu Schutzkonzepten anzubieten. Manchmal höre sie noch von Verantwortlichen, Missbrauch und sexuelle Übergriffe seien in der eigenen Organisation kein Thema: „Denen sage ich dann: Glückwunsch, da sind Sie der einzige Verein auf der ganzen Welt.“

Anette Diehl war im Frühjahr in einer der letzten Personalentscheidungen der Mainzer Ampel-Regierung für das Amt ernannt worden, nachdem sie zuvor fast 40 Jahre lang für den Frauennotruf in Mainz tätig war. Bereits in ihrer vorigen Position hatte sie auch ältere Kinder und Jugendliche betreut und Fortbildungen für Schulen, Hochschulen oder Behinderteneinrichtungen zum Thema Missbrauchsprävention angeboten.