Frankfurt a.M., Den Haag (epd). Der Internationale Strafgerichtshof hat das Verfahren gegen einen früheren sudanesischen Milizenführer wegen Kriegsverbrechen in der Region Darfur eingestellt. Die Richter seien zu dem Schluss gekommen, dass ein faires und effizientes Verfahren gegen Abdallah Banda nicht gewährleistet werden könne, da die Anklagebehörde sich weigere, die Anklage weiter zu vertreten, teilte der Strafgerichtshof am Donnerstag in Den Haag mit. Davor hatte die Anklage die Vorwürfe gegen den ehemaligen Milizionär zurückgezogen.
Laut der Anklageschrift war Banda als Kommandant an einem Angriff auf die Friedenstruppe der Afrikanischen Union in Darfur im Jahr 2007 beteiligt, bei dem zwölf Soldaten getötet wurden. Rund 1.000 bewaffnete Rebellen hatten nach Angaben des Gerichts die Friedenstruppen mit schwerem Geschütz angegriffen, Kommunikationsanlagen, Unterkünfte und Fahrzeuge zerstört und geplündert.
Aufhebung keine Folge für künftige Verfahren
Laut der Anklage hat sich die Beweislage gegen Banda seit der Bestätigung der Anklagepunkte im Jahr 2011 verschlechtert. Dafür sahen die Richter keine hinreichenden Beweise und bedauerten die Haltung der Anklage. Die Aufhebung des Verfahrens habe allerdings keine Auswirkungen auf mögliche künftige Verfahren wegen der gleichen Sachverhalte.
Banda und ein weiterer Milizenführer, Saleh Jerbo, waren 2010 freiwillig vor dem Strafgerichtshof erschienen. Das Gericht erlaubte Jerbo, die Niederlande zu verlassen. Nach Angaben seiner Verteidiger wurde er 2013 bei Kämpfen in Nord-Darfur getötet. Mit der am Donnerstag mitgeteilten Entscheidung wurde der Haftbefehl gegen Banda aufgehoben.
In Darfur begann Anfang der 2000er Jahre ein Konflikt zwischen Rebellen, Armee und regierungstreuen Milizen. Nach UN-Schätzungen starben etwa 300.000 Menschen. Mehrere Millionen wurden zu Flüchtlingen. Der Strafgerichtshof hat im Zusammenhang mit Kriegsverbrechen in Darfur in vier Fällen ermittelt, darunter gegen den 2019 gestürzten sudanesischen Präsidenten Omar al-Baschir, der im Sudan inhaftiert ist. Der Rebellenführer Ali Muhammad Ali Abd-Al-Rahman wurde Ende 2025 zu 20 Jahren Haft verurteilt.



