Schild verweist auf Gottesdienste und Freitagsgebet

Kreuz und Halbmond
Fabian Strauch/dpa
Fasten verbindet Christen und Muslime als Tradition.
Novum am Ortsanfang in Penzberg
Schild verweist auf Gottesdienste und Freitagsgebet
Jeder kennt die Schilder mit dem gelben und lila Kirchensymbol, die an vielen Ortszufahrten stehen. Sie verweisen auf die Gottesdienste von Katholiken und Protestanten. In Penzberg zeigt die Schilder-Kombi jetzt auch das Freitagsgebet der Muslime.

Seit Dienstag machen Schilder an den Ortseingängen nicht nur auf die katholischen und evangelischen Gottesdienstzeiten aufmerksam, sondern auch auf das Freitagsgebet der Islamischen Gemeinde. Mit diesem gemeinsamen Projekt setze man ein Zeichen für gelebte Ökumene, gegenseitigen Respekt und den interreligiösen Dialog, teilte die Stadt Penzberg auf ihrer Facebook-Seite mit.

Die Kombi aus zwei Kirchensymbolen in gelb und lila plus einer stilisierten blauen Moschee sei mindestens ungewöhnlich, erklärte ein Sprecher des Weilheimer Verkehrstechnikherstellers Bremicker am Mittwoch auf Anfrage des Evangelischen Pressediensts (epd): "So etwas ist bei uns noch nicht oft angefragt worden." Die Firma stelle unter anderem Verkehrszeichen und Ortsschilder für Kommunen bundesweit mit Schwerpunkt Süddeutschland her.

Die neuen Kirchenschilder seien nötig geworden, weil die alten Rost angesetzt hatten, sagte der evangelische Pfarrer Julian Lademann. Insgesamt sollen sie an vier Stellen rund um Penzberg montiert werden. Imam Benjamin Idriz erklärte, dass die Idee, auch auf das Freitagsgebet zu verweisen, bereits im vergangenen Herbst beim jährlichen Gesprächstermin der Religionsgemeinschaften mit dem damaligen Ersten Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) entstanden sei. Er freue sich, dass sie jetzt unter Bürgermeister Thomas Kopf (Penzberg Miteinander) verwirklicht werden konnte.

Penzbergs Erster Bürgermeister Thomas Kopf, der katholische Pfarrer Bernhard Holz, sein evangelischer Kollege Julian Lademann und Imam Benjamin Idriz (v.l.) bei der Montage der neuen Schilder.

Dass nun die Gottesdienstzeiten aller drei großen Religionsgemeinschaften sichtbar vertreten seien, "ist für uns in Penzberg Normalität", aber zugleich auch "ein starkes Signal des Miteinanders und der Wertschätzung in einer Zeit, in der viel Unruhe und Hass herrscht", so Idriz.

Gottesdienst-Schilder seit 1960

Seit einem Erlass des Bundesverkehrsministeriums aus dem Jahr 2008 können alle Religionsgemeinschaften an Ortseingängen auf ihre Gottesdienste verweisen. Die gesetzliche Grundlage dafür stammt aus dem Jahr 1960 und galt ursprünglich nur für die beiden Kirchen.

Man habe auf die neuen Schilder viele positive Rückmeldungen bekommen, erklärten Lademann und Idriz. Allerdings seien gerade auf den Sozialen Medien auch Hasskommentare eingegangen. Die Stadt Penzberg habe daraufhin die Kommentarfunktion unter ihrem Facebook-Post gesperrt, erklärte der Sprecher der Stadt. "Sachliche Diskussionen und Kritik sind ausdrücklich erwünscht, doch Beleidigungen, Diskriminierung und persönliche Angriffe dulden wir auf unseren Seiten nicht", erklärte Bürgermeister Kopf auf Facebook. In Penzberg sei jeder willkommen, unabhängig von Religion, Herkunft oder Weltanschauung, "gemeinsam gestalten wir ein respektvolles und friedliches Miteinander".