Berlin (epd). Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Dirk Wiese, hat zu einer Orientierungsdebatte über Leihmutterschaft im Bundestag aufgerufen. Mit Blick auf die anhaltende Diskussion infolge des Rücktritts von Jens Spahn als Unionsfraktionsvorsitzender solle sich der Bundestag dem Thema widmen, „wenn eine gewisse Zeit ins Land gezogen ist“, sagte Wiese am Mittwoch in Berlin. Es brauche eine „Orientierungsdebatte fernab von Fraktionsmeinungen, fernab von Parteimeinungen“, betonte der SPD-Politiker.
Der CDU-Politiker Spahn und sein Ehemann hatten vergangene Woche öffentlich gemacht, per Leihmutter in den USA Eltern geworden zu sein. Dafür war Spahn heftig aus der eigenen Partei kritisiert worden, weil die CDU Leihmutterschaft ablehnt und an einem gesetzlichen Verbot festhalten will. Daher war der 46-Jährige nach Intervention von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Samstag als Chef der Unions-Bundestagsfraktion zurückgetreten.
Wiese: Leihmutterschaft mit Abstand zur Personalie Spahn betrachten
Zum Thema Leihmutterschaft gebe es innerhalb der SPD, aber auch im gesamten Bundestag, sehr unterschiedliche Einschätzungen, sagte Wiese. Er verwies auf eine entsprechende Debatte unter der Ampel-Koalition, die zu keiner einheitlichen Empfehlung gelangt war. Infolge von Spahns Rücktritt sei das Meinungsspektrum derzeit sehr breit und zugleich unsondiert, darum „kann eine Orientierungsdebatte hier durchaus Sinn machen“. Insbesondere zum Thema altruistische Leihmutterschaft, also ohne Bezahlung, gebe es Gesprächsbedarf, sagte Wiese unter Verweis auf entsprechende Äußerungen des Deutschen Ethikrats.
Für eine produktive Debatte sei jedoch ein gewisser zeitlicher Abstand zu Spahns Rücktritt vonnöten, betonte Wiese. Der SPD-Politiker äußerte die Sorge, dass eine zu baldige Orientierungsdebatte über die Frage der Leihmutterschaft die Gefahren berge, „von rechts außen instrumentalisiert“ zu werden und „nicht von der politischen Person“ Spahn getrennt betrachtet werden könne.



