Wohnungslosenhilfe: "Wir können nur Angebote machen"

Wohnungslosenhilfe: "Wir können nur Angebote machen"
Alfred Mucha ist seit mehr als 30 Jahren in der Wohnungsnotfallhilfe tätig. Er weiß um die Herausforderungen zu allen Jahreszeiten - auch bei extremer Hitze.
19.07.2026
epd
epd-Gespräch: Katharina Rögner

Chemnitz (epd). Nach Ansicht des Leiters der Wohnungsnotfallhilfe in Chemnitz, Alfred Mucha, bedarf es einer besonderen Anstrengung, vulnerable Gruppen wie Wohnungslose an heißen Tagen zu schützen. „Wir stellen mehr Getränke bereit, verteilen Trinkflaschen, Sonnenschutz und Basecaps und fragen Spenden an“, sagte Mucha dem Evangelischen Pressedienst (epd). Aber das sei alles nur der vielzitierte Tropfen auf den heißen Stein.

Die Innenstädte und gerade auch Chemnitz seien zugebaut, betoniert und böten oft nur wenig Grün. Es gebe kaum schattige Plätze, an denen sich auch wohnungslose Menschen schützen könnten. Es brauche mehr Grün, mehr Bäume, mehr Trinkbrunnen.

Hilfe mit Respekt

„Sehr problematisch wird es bei extremer Hitze für Suchtgefährdete, ihr Kreislauf macht das nicht mit“, sagte Mucha: „Sie nehmen auch meist kein oder zu wenig Wasser zu sich.“ Wenn der Kreislauf streikt, sei auf jeden Fall der Krankenwagen zu rufen.

Mucha weiß aber auch um die Grenzen der Unterstützung. „Wir können nur Angebote machen“, sagte er. Es sei wichtig, nicht übergriffig zu werden. „Wir müssen respektieren, dass Menschen über sich selbst entscheiden dürfen, auch wenn sie in unseren Augen falsch entscheiden“, sagte er.

Am besten sei zu fragen, welche Art von Hilfe gebraucht werde - Essen oder Trinken, Sonnenschutz oder ein Aufenthaltsort. „Wir sollten immer vorsichtig sein, wenn wir Hilfe anbieten“, sagte Mucha. Die Menschen hätten eine Privatsphäre. Auch ein Nein müsse akzeptiert werden.

Fehlende Kapazitäten

2025 hatte die Chemnitzer Wohnungsnotfallhilfe 748 Gäste im Tagestreff „Haltestelle“, mehr als 200 waren wohnungslos. „Unsere beiden Straßensozialarbeiter verweisen immer auf den Treff für Wohnungslose, sie suchen regelmäßig Plätze auf“, sagte Mucha. Im Treff gebe es auch die Möglichkeit, sich zu duschen und abzukühlen.

„Allerdings heizt sich das Gebäude bei großer Hitze ebenso auf, da bräuchte es eine Klimaanlage, die wir aktuell nicht haben“, sagte Mucha. Eine der Herausforderungen sei auch die Beschaffenheit der Räume.

Mucha appelliert, die Einrichtungen für Wohnungslose stärker zu unterstützen, denn dies seien die Orte, die betroffene Menschen tatsächlich nutzen. Pro Tag kommen etwa 40 Personen in den Chemnitzer Treff. Wegen fehlender Kapazitäten könne das Angebot aber nur vormittags öffnen, an den Wochenenden gar nicht mehr.