Fast Fashion: EU stoppt Vernichtung unverkaufter Kleidung

Fast Fashion: EU stoppt Vernichtung unverkaufter Kleidung
Drei Fragen an die Europaabgeordnete Delara Burkhardt (SPD)
Für den Mülleimer produziert? Ab Sonntag (19. Juli) dürfen große Modeunternehmen in der EU unverkaufte Kleidung nicht mehr einfach vernichten. Die SPD-Europaabgeordnete Delara Burkhardt sieht darin einen wichtigen Schritt gegen Fast Fashion.
17.07.2026
epd
epd-Gespräch: Von Marlene Brey (epd)

Brüssel (epd). Nach EU-Angaben werden jedes Jahr allein in Europa schätzungsweise 4 bis 9 Prozent der unverkauften Textilien zerstört, bevor sie jemals getragen wurden. Dadurch entstehen rund 5,6 Millionen Tonnen CO2-Emissionen pro Jahr - fast so hoch wie die Nettoemissionen Schwedens im Jahr 2021. Die EU verbietet diese Praxis nun weitgehend. Ab dem 19. Juli dürfen große Unternehmen unverkaufte Kleidung und Schuhe grundsätzlich nicht mehr vernichten. Für mittelgroße Unternehmen gilt dies ab 2030. Für die SPD-Europaabgeordnete Delara Burkhardt ist das ein wichtiger Schritt. Aber sie warnt vor Schlupflöchern.

epd: Frau Burkhardt, ab Sonntag gilt das Vernichtungsverbot der EU für unverkaufte Kleidung. Was soll das Verbot konkret bewirken?

Delara Burkhardt: Überproduktion war für Fast-Fashion-Unternehmen jahrelang zu attraktiv. Es wurde billig und in riesigen Mengen produziert, und was sich nicht verkauft hat, konnte einfach vernichtet werden. Die Kosten dafür haben Umwelt, Klima und am Ende wir alle getragen. Genau diese Logik ändern wir jetzt. Große Unternehmen dürfen unverkaufte Kleidung grundsätzlich nicht mehr vernichten und müssen offenlegen, wie viele Produkte sie entsorgen. Das macht Überproduktion teurer, unattraktiver und nimmt die Unternehmen endlich stärker in die Verantwortung.

epd: Wie groß ist die Gefahr, dass Unternehmen Schlupflöcher finden und das Verbot umgehen?

Burkhardt: Die Gefahr ist real. Das Verbot ist ein großer Fortschritt - aber nur, wenn es in der Praxis auch wirkt. Deshalb müssen wir genau hinschauen. Zum Beispiel darf Kleidung unter bestimmten Voraussetzungen weiterhin vernichtet werden, wenn sie als Spende angeboten wurde, aber kein Abnehmer gefunden wird. Gerade weil unsere Altkleiderinfrastruktur schon heute an ihre Grenzen stößt, kann daraus ein Schlupfloch für Überproduktion werden. Außerdem müssen wir sicherstellen, dass Unternehmen die Vernichtung unverkaufter Produkte nicht in Drittländer verlagern.

epd: Braucht es weitere Schritte?

Burkhardt: Dieses Verbot allein wird Fast Fashion nicht beenden. Aber es ist ein wichtiger Schritt, weil es die Anreize verändert: Überproduktion darf sich wirtschaftlich nicht länger lohnen. Ich setze mich dafür ein, dass wir das Fast-Fashion-System ganzheitlich angehen - mit langlebigeren Produkten, mehr Kreislaufwirtschaft, klaren Regeln für Unternehmen und weniger Ressourcenverschwendung. Fast Fashion und Überproduktion als Geschäftsmodell müssen endlich aus der Mode kommen.