Berlin (epd). Die Heimkosten für Pflegebedürftige sind erneut deutlich gestiegen. Laut Zahlen des Verbands der Ersatzkassen vom Montag betrug der Eigenanteil im ersten Jahr im bundesweiten Schnitt am 1. Juli dieses Jahres 3.364 Euro. Das seien 256 Euro mehr als zum Vorjahreszeitpunkt. Verbraucher- und Patientenschutzverbände kritisierten Sparpläne für die Pflege, Arbeitgeber drangen auf die Aufweichung von Vorgaben. Die Diakonie forderte eine „echte Pflegereform“.
Am teuersten war das Leben im Heim den Zahlen zufolge im Schnitt in Bremen (3.761 Euro), Nordrhein-Westfalen (3.671 Euro) und Baden-Württemberg (3.657 Euro). Am wenigsten mussten Bewohnerinnen und Bewohner in Sachsen-Anhalt (2.891 Euro), Niedersachsen (3.008 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (3.032 Euro) bezahlen.
Eigenanteil besteht aus mehreren Komponenten
Der Eigenanteil in Pflegeheimen setzt sich aus Kosten für Unterkunft und Verpflegung, Investitionen sowie dem einrichtungseinheitlichen Eigenanteil (EEE) zusammen, der vor allem Kosten für das Pflegepersonal umfasst. Für den EEE gibt es abgestufte Zuschüsse, daher sinkt der Eigenanteil mit der Aufenthaltsdauer. Die Höhe des Eigenanteils variiert zudem je nach Einrichtung.
Für Investitionen sind die Bundesländer zuständig, die ihrer Pflicht aber nicht ausreichend nachkommen. Im bundesweiten Schnitt wälzten die Länder laut den Zahlen 521 Euro pro Monat auf die Pflegebedürftigen ab, am meisten Nordrhein-Westfalen (654 Euro), Bremen (630 Euro) und das Saarland (574 Euro).
Die hohen Steigerungen seien auf Personalkosten zurückzuführen, erklärte Ersatzkassen-Verbandschefin Ulrike Eisner. Es sei richtig, Pflegekräfte gut zu bezahlen, doch dürfe das nicht die Pflegebedürftigen belasten.
Forderung nach Deckelung von Kosten
Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU), Zuschüsse zu den Eigenanteilen erst später greifen zu lassen. Das werde die Sozialhilfequote in den Heimen weiter nach oben treiben. „Statt den Rotstift anzusetzen, müssen die reinen Pflegekosten endlich auf 1.000 Euro gedeckelt werden“, forderte Brysch. Die Länder dürften sich auch nicht weiter um ihre Verantwortung drücken, sagte er.
Auch die Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Ramona Pop, kritisierte Warkens Pläne. Es brauche eine Stärkung der Pflege, anstatt Betroffene weiter zu belasten. Wenn Pflegebedürftige die Kosten nicht stemmen könnten, rutschen sie in die Sozialhilfe, das belaste auch die Kommunen, erklärte Pop.
Schuch fordert „echte Pflegereform“
Rüdiger Schuch, Präsident der Diakonie Deutschland, forderte die Bundesregierung auf, „eine echte Pflegereform auf den Weg zu bringen, die auch das Problem der ins Unermessliche steigenden Eigenanteile löst“. Eine Reform müsse für faire und kalkulierbare Eigenanteile in der stationären Pflege sorgen, erklärte Schuch.
Der Präsident des Arbeitgeberverbands Pflege, Thomas Greiner, forderte, Personal- und Bauvorgaben für Pflegeheimbetreiber aufzuweichen. Pflege werde politisch verteuert, sagte Greiner: „Wer bezahlbare Pflege will, muss diese Kostentreiber angehen.“




