Berlin (epd). Das katholische Hilfswerk Misereor hat vor weiteren Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit gewarnt. Hilfsorganisationen und deren Partnerorganisationen bräuchten Planungssicherheit, sagte der Leiter des Katholischen Büros, Prälat Karl Jüsten, am Dienstag bei der Vorstellung des Misereor-Jahresberichts 2025. Weitere Mittelstreichungen hätten „fatale Konsequenzen für die verletzlichsten Mitmenschen in den Ländern des Globalen Südens und für Deutschlands Ansehen in der Welt“.
Jüsten, der zudem Vorsitzender der Katholischen Zentralstelle für globale Entwicklung ist, kritisierte auch politische Forderungen nach Abschaffung eines eigenständigen Entwicklungsministeriums: „Wir alle wissen inzwischen, wohin die Zerschlagung von USAID geführt hat“, sagte Jüsten mit Blick auf die Folgen der Schließung der staatlich finanzierten US-Hilfsorganisation im vergangenen Jahr.
„Strategisch kurzsichtig“
Misereor-Hauptgeschäftsführer Andreas Frick sagte, „Frieden entsteht nicht allein durch militärische Abschreckung“. Frieden entstehe dort, „wo Menschen Perspektiven haben, wo Hunger bekämpft wird, wo junge Menschen Bildung und Arbeit finden“. Wer hier kürze, untergrabe genau jene Grundlagen, die langfristig Sicherheit ermöglichen. „Das ist strategisch kurzsichtig“, sagte Frick zu den geplanten Kürzungen im Bundeshaushalt: „Die Zahl der Menschen, die durch bewaffnete Konflikte in den Hunger getrieben wurden, hat sich in den letzten Jahren nahezu verdoppelt.“
Laut dem vom Bundeskabinett gebilligten Haushaltsentwurf 2027 steht dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung im kommenden Jahr nur noch knapp 9,5 Milliarden Euro zur Verfügung, knapp 600 Millionen Euro weniger als in diesem Jahr. Seit 2023 hat sich dieser Etat somit stetig verringert.
Weniger Spenden
Das katholische Hilfswerk Misereor konnte im vergangenen Jahr seine Einnahmen gegenüber 2024 leicht auf 233,7 Millionen Euro steigern (plus 3,8 Millionen Euro). Dabei sank der Anteil der Spenden und Kollekte um 4,7 Millionen Euro auf 66,1 Millionen Euro. Der Anteil öffentlicher Mittel, insbesondere über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, betrug im vergangenen Jahr 160,8 Millionen Euro, eine leichte Steigerung um 8,5 Millionen Euro. Aktuell unterstützt die Organisation weltweit mehr als 1.600 Partnerorganisationen in mehr als 80 Ländern.
Einsparungen bei Projekten
Die Ausgaben des Hilfswerks sanken dem Jahresbericht zufolge gegenüber dem Vorjahr um 40,1 Millionen auf 212,2 Millionen Euro. Allein bei den Projektausgaben wurden 43 Millionen Euro eingespart. So gebe es etwa politisch motivierte Probleme bei der Mittelvergabe an Projektpartner, beispielsweise in Indien, hieß es zur Begründung. Der Anteil der Werbe- und Verwaltungsausgaben des Hilfswerks lag bei 10,3 Prozent.




