Düsseldorf, Berlin (epd). Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) befürchtet, dass ein Drittel der Kliniken das beschlossene Krankenkassen-Sparpaket nicht überleben wird. „Wir müssen damit rechnen, dass noch mehr Kliniken in die Schieflage geraten“, sagte Vorstandschef Gerald Gaß der Düsseldorfer „Rheinischen Post“ (Dienstag). Die Reform senke die Kreditwürdigkeit der Häuser, es drohe eine Insolvenzwelle über drei Jahre. Schon jetzt hätten viele nur liquide Mittel für vier Wochen.
Bundestag und Bundesrat hatten am Freitag die Reform der gesetzlichen Krankenkassen verabschiedet. Versicherte sollen höhere Zuzahlungen für Medikamente, Hilfsmittel und Klinikaufenthalte leisten und Einschränkungen bei der beitragsfreien Mitversicherung für Ehepartner in Kauf nehmen. Die Kliniken müssen laut Gaß insgesamt einen Verlust von acht Milliarden Euro verkraften. Er rief die Länder auf, vier Milliarden Euro für die Kliniken aufzubringen, der Bund solle bei Deregulierung und Entbürokratisierung ernst machen. „Sonst gibt es ein kaltes Kliniksterben zulasten der Patienten und Regionen“, sagte er.
Notaufnahmen und Geburtshilfen auf der Streichliste
Besonders bedroht seien Grund- und Regelversorger in ländlichen Regionen, betonte Gaß. Als Erstes würden Kliniken schwer planbare Bereiche wie Notaufnahmen, Geburtshilfen und Kinderstationen schließen. Dies seien „die größten Verlustbringer“. Bereits jetzt gebe es bundesweit nur noch 570 Geburtshilfen, früher seien es fast 1.200 gewesen. 61 Prozent der Geburtshilfen drohten nach einer Umfrage unter den Klinikträgern wegzufallen, erklärte Gaß.
Die Krankenhausgesellschaft rechnet zudem damit, dass jeder zweiten Notaufnahme das Aus droht. Zurzeit gebe es 1.000 stationäre Kliniken mit Notaufnahmen. Gaß kritisierte zudem, dass Tariferhöhungen nur noch zur Hälfte erstattet werden sollen. „Wir gehen davon aus, dass die Kliniken zehn Prozent der Personalkosten einsparen müssen“, sagte Gaß. Das bedeute mittelfristig 140.000 Beschäftigte weniger.




