Zahl antisemitischer Straftaten in NRW steigt deutlich an

Zahl antisemitischer Straftaten in NRW steigt deutlich an
In Nordrhein-Westfalen ist die Zahl der antisemitischen Straftaten 2025 auf einen Höchststand gestiegen. So verzeichnete die Statistik zu politisch motivierter Kriminalität 786 Straftaten, die offenbar aus Hass gegen Juden verübt wurden.

Düsseldorf (epd). Die Zahl antisemitischer Straftaten in Nordrhein-Westfalen ist im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. Laut der Statistik der politisch motivierten Kriminalität wurden 786 antisemitische Straftaten registriert, wie die nordrhein-westfälische Antisemitismusbeauftragte, Sylvia Löhrmann, am Montag bei der Vorstellung ihres Jahresberichts 2025 in Düsseldorf erklärte. Das entsprach einem Plus von 19 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und bedeute durchschnittlich mehr als zwei antisemitische Straftaten pro Tag im bevölkerungsreichsten Bundesland.

Auch die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Nordrhein-Westfalen (Rias NRW) dokumentierte mit 1.102 antisemitischen Vorfällen einen neuen Höchststand. Das entspricht einem Anstieg von 17 Prozent im Vergleich zu 2024. Die erneut gestiegenen Zahlen „erfüllen mich mit großer Sorge“, sagte Löhrmann. Hinter jeder einzelnen Zahl stehe eine konkrete Tat gegenüber einem Menschen, einer jüdischen Institution oder einer Gedenkstätte. „Judenhass darf nicht zur Normalität werden.“

85 antisemitische Vorfälle an Hochschulen

An den Hochschulen im Land bleibt die Lage laut der Landesbeauftragten für die Bekämpfung des Antisemitismus, für jüdisches Leben und Erinnerungskultur ebenfalls angespannt. Die Zentrale Beratungsstelle für Antisemitismus an Hochschulen in NRW dokumentierte für 2025 insgesamt 85 antisemitische Vorfälle (2024: 79 Fälle).

Die frühere NRW-Schulministerin Löhrmann machte deutlich, dass Antisemitismus in unterschiedlichen politischen, religiösen und gesellschaftlichen Kontexten vorkomme. Er sei nicht auf ein einzelnes Milieu beschränkt. Judenhass finde sich bei Rechtsextremen sowie in linksextremen, islamistischen und religiösen Milieus. „Wer Antisemitismus nur bei den jeweils anderen verortet, trägt nicht zur Lösung bei, sondern externalisiert das Problem, schiebt es von sich oder beteiligten Gruppen weg, statt alle in die Verantwortung zu nehmen und zu halten“, betonte Löhrmann.