Sommerhitze: Knigge-Expertin rät zu mehr Rücksicht beim Outfit

Sommerhitze: Knigge-Expertin rät zu mehr Rücksicht beim Outfit
Die Sommerhitze löst auch Debatten über angemessene Kleidung im Alltag aus - ob beim Einkaufen, im öffentlichen Nahverkehr oder im Beruf. Stilberaterin Birgit Barth plädiert dabei für mehr Rücksicht und Stilbewusstsein im öffentlichen Raum.
10.07.2026
epd
epd-Gespräch: Stephan Cezanne

Auerbach (epd). Mit Blick auf die Sommerhitze hat die Knigge-Trainerin Birgit Barth zu mehr Stilbewusstsein ermutigt und einfache Regeln für angemessene Kleidung vorgeschlagen. „Es gibt im öffentlichen Raum oder im Alltag jetzt nicht wirklich einen verbindlichen Dresscode“, sagte die Stil- und Etikette-Expertin aus Auerbach in der Oberpfalz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Aber es gebe die gesellschaftliche Erwartung, „dass man anderen den eigenen Körper nicht in übermäßiger Freizügigkeit zumutet“.

In gemeinsam genutzten Räumen begegneten sich Menschen jeden Alters und aus verschiedensten Kulturen mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, was noch ansprechend ist und was bereits als störend empfunden wird. „Sobald ich mir ehrlich sagen muss: Das würde ich genauso am Strand oder im Fitnessstudio tragen, ist es für Alltagssituationen wie den Einkaufsbummel im öffentlichen Raum nicht geeignet“, fügte Barth hinzu, die seit Mai für die CSU auch Erste Bürgermeisterin der Stadt Auerbach in der Oberpfalz ist. Gerade bei hochsommerlichen Temperaturen sei luftige Kleidung selbstverständlich erlaubt. Materialien wie Leinen, Baumwolle oder Seide böten angenehme Alternativen, ohne auf Stil zu verzichten.

Deo und Parfüm

Auch stark verschwitzte Kleidung, abgetragene Stücke oder ungepflegtes Auftreten könnten für andere zur Belastung werden. „Rücksicht zeigt sich auch in Fragen der Hygiene“, betont sie. Dazu gehöre ebenso ein maßvoller Umgang mit Duftstoffen: Weder fehlendes Deodorant noch übermäßiges Parfüm seien im öffentlichen Raum angemessen.

Barth zufolge gibt es bei dem Thema zunehmend weniger Unterschiede zwischen den Geschlechtern. Auffällig sei jedoch, dass insbesondere Männer im Alltag häufiger unangemessen leger auftreten, sagte die Stilberaterin - und meinte damit ausgeleierte Jogginghosen ebenso wie abgetragene Flipflops. Anstand und Rücksichtnahme „kann man sich zudem nicht anziehen.“ Auftreten, Körpersprache und Haltung seien ebenso entscheidend wie das Outfit selbst.

Haut und Kompetenz

Auch in Büros müsse es nicht immer Anzug und Krawatte sein, kurzärmelig gehe auch, fügte Barth hinzu. Bei Damen dürfe „es weiter ausgeschnitten oder auch mal der kürzere Rock sein. Aber bei kürzer und kurz und Hotpants ist schon mal ein großer Unterschied.“ Auch das Umfeld spiele eine Rolle. In beruflichen oder konservativen Kontexten sei Zurückhaltung ratsam: „Je mehr Haut man zeigt, desto eher wird Kompetenz infrage gestellt.“ Bei der beruflichen Sommerparty sei elegante, aber nicht aufdringliche Kleidung gefragt: „Ich selbst würde jetzt nicht mit dem kürzesten Minirock irgendwo hingehen, aber auch nicht bauchfrei.“