Sudan-Krieg: Weltstrafgericht sieht Durchbruch bei Ermittlungen

Sudan-Krieg: Weltstrafgericht sieht Durchbruch bei Ermittlungen
Der Internationale Strafgerichtshof ermittelt im Sudan zu möglichen Kriegsverbrechen. Laut der stellvertretenden Chefanklägerin liegen nun konkrete Beweise vor.

Frankfurt a.M., Den Haag (epd). Der Internationale Strafgerichtshof sieht deutliche Fortschritte bei den Ermittlungen zu Kriegsverbrechen im Krieg im Sudan. Bei der Untersuchung von Massakern an der Zivilbevölkerung in den Städten Al-Faschir und Al-Dschunaina gebe es einen „Durchbruch“, sagte die stellvertretende Chefanklägerin Nazhat Shameem Khan der britischen BBC (Donnerstag, online).

Demnach liegen dem Weltstrafgericht mit Sitz im niederländischen Den Haag „konkrete Beweise“ vor, die Anführer der RSF-Miliz mit Kriegsverbrechen in der Darfur-Region in Verbindung bringen. Einen Zeitrahmen für eine mögliche Anklage gegen die Verantwortlichen von Gewalt nannte Khan nicht. „Wir können nicht sagen, wie schnell oder wie lange es dauern wird“, sagte Khan. Doch der Fortschritt sei signifikant.

Massaker an Zivilisten

Der Internationale Strafgerichtshof hat auf Grundlage eines bestehenden Mandats seine Ermittlungen in der Darfur-Region ausgeweitet und untersucht auch Verbrechen im Zusammenhang mit dem aktuellen Krieg. Nach der Eroberung der Stadt Al-Faschir durch die RSF-Miliz im vergangenen Oktober drangen Berichte über Massaker und andere Gewalttaten an der Zivilbevölkerung nach außen. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen sieht in dem Vorgehen der Miliz Anzeichen eines Genozids. Auch der Armee werden Verbrechen vorgeworfen.

Im Sudan kämpfen seit April 2023 die RSF-Miliz und die reguläre Armee um die Macht und Kontrolle von Ressourcen. Millionen Menschen wurden durch die Gewalt vertrieben. Knapp 20 Millionen Menschen leiden laut dem UN-Welternährungsprogramm an Hunger. Die Darfur-Region im Westen des Landes ist seit Jahrzehnten von teils ethnischer Gewalt geprägt. Der Internationale Strafgerichtshof hatte die Ermittlungen zu Verbrechen in Darfur 2005 eröffnet.