Duisburg, Düsseldorf (epd). Mit Blick auf die Debatte über eine weitere Anhebung des Renteneintrittsalters fordert der Arbeitsmarktforscher Martin Brussig einen erleichterten Zugang zu einer gesundheitsbedingten Frühverrentung. Viele Ältere erreichten die Regelaltersgrenze bereits heute aus gesundheitlichen Gründen nicht, heißt es in seiner am Donnerstag veröffentlichten Analyse für den Altersübergangs-Report des Instituts Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen und der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. Die Erwerbsminderungsrente könne diese Personen bisher aber nicht auffangen, da die Zugangshürden zu hoch seien.
Brussig analysierte für den Report den Angaben zufolge das Ausmaß gesundheitlicher Einschränkungen von Rentnern sowie älteren Beschäftigten und Nichterwerbstätigen in den Jahren 2010 und 2023. Dabei habe sich gezeigt, dass die Gesundheit der 59- bis 62-Jährigen im Job 2023 im Schnitt schlechter gewesen sei als 13 Jahre zuvor. „Dies ist ein Indiz dafür, dass ein Teil der heute älteren Beschäftigten unter früheren Bedingungen in Frührente gewechselt wäre“, erläuterte der Wissenschaftler. Weil die Voraussetzungen dafür in der Vergangenheit verschärft wurden, sei dies aber häufig nicht mehr möglich.
Zu krank für Arbeit, nicht krank genug für Erwerbsminderungsrente
„Die Debatte um eine weitere Anhebung der Altersgrenzen wäre viel weniger problematisch, wenn es eine gute Möglichkeit geben würde, wie gesundheitlich beeinträchtigte ältere Beschäftigte leichter vorzeitig in Rente kommen“, bilanzierte Brussig. Er plädierte daher kurzfristig für einen erleichterten Zugang zu gesundheitsbedingter Frühverrentung. Langfristig sollte verstärkt in Präventionsmaßnahmen, wie gesundheitliche oder berufliche Rehabilitation, investiert werden.




