Berlin (epd). Die SED-Opferbeauftragte beim Bundestag, Evelyn Zupke, hat an Unternehmen appelliert, eventuelle Zwangsarbeit von DDR-Häftlingen in der eigenen Firmengeschichte aufzuarbeiten und einen Schritt auf die Opfer zuzugehen. Es wäre ein wichtiges Zeichen von Stärke, wenn sich Firmen wie etwa Ikea mit den dunklen Kapiteln der eigenen Geschichte auseinandersetzen, sagte Zupke am Mittwoch bei der Übergabe ihres Jahresberichts in Berlin.
Ikea zahlte im vergangenen Jahr sechs Millionen Euro in den Härtefallfonds für Betroffene ein. Mit dem Unternehmen Otto führe sie aktuell Gespräche, sagte Zupke. Zudem sprach sich Zupke bei der Übergabe ihres Berichts für eine Benennung von Straßen und Plätzen nach Freiheitshelden der DDR aus. Es gebe kaum Orte, die nach Menschen der Friedlichen Revolution und des langjährigen Widerstands in der DDR benannt seien. Das wolle sie ändern.
Übergabe des Berichts in ehemaligem Stasi-Untersuchungsgefängnis
Insgesamt sei Deutschland auf dem richtigen Weg bei der Unterstützung und Würdigung von Opfern der SED-Diktatur. Gleichzeitig müsse etwa bei der Hilfe für Betroffene von DDR-Doping nachgebessert werden. Die Übergabe des Berichts an Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) fand in diesem Jahr in der Gedenkstätte Hohenschönhausen statt, einem ehemaligen Stasi-Untersuchungsgefängnis.
Zupke hob in ihrem Bericht die Auswirkungen des Anfang 2025 von Bundestag und Bundesrat beschlossenen Gesetzespakets hervor. Es sei eine „echte Erfolgsgeschichte“ und helfe Betroffenen im Alltag. Gerade der eingerichtete Härtefallfonds für Betroffene von SED-Unrecht habe positive Auswirkungen gehabt.
Bürokratiearme Hilfe für Opfer
Rund die Hälfte von ihnen lebe heute an der Grenze zur Armutsgefährdung. Von dem Fonds hätten bisher mehr als 300 Betroffene profitiert, beispielsweise mit einer Reise zu ehemaligen Haftorten oder der Einrichtung eines altersgerechten Bades.
Im November 2025 hatte der durch den Bundestag beschlossene bundesweite Härtefallfonds für in der DDR politisch verfolgte Menschen in wirtschaftlicher Notlage seine Arbeit aufgenommen. Durch eine bürokratiearme Antragsstellung soll Unterstützung Betroffene nach zwei bis vier Wochen erreichen, in Notfällen binnen 24 Stunden.
Unterstützung für Betroffene von DDR-Zwangsdoping fehlt
Handlungsbedarf bestehe bei der Unterstützung von Opfern des DDR-Zwangsdopings. Zupke schlug im Bericht daher ein Dopingopfer-Unterstützungsgesetz vor, wodurch insbesondere damals Minderjährige mit Folgen von staatlichem Doping Zugang zu sozialen Entschädigungen erhalten sollen.
Weiterhin müssten zudem Kinder von politischen Verfolgten in den Blick genommen werden. Ungewollt hätten die Eltern ihre Ängste, Sorgen und Traumata an die Kinder weitergegeben und deren heutiges Leben geprägt, erklärte Zupke. Kinder von politischen Verfolgten dürften nicht zu den vergessenen Opfern der SED-Diktatur werden.
Die Stelle der SED-Opferbeauftragten ist beim Bundestag angesiedelt. Sie soll ein besonderes Augenmerk auf die Belange der Opfer von SED-Unrecht legen und ihre Anliegen vertreten. Die SED-Opferbeauftragte informiert mit ihrem jährlichen Bericht den Bundestag.




