Opferbeauftragter: Manche Flutopfer warten bis heute auf Aufbauhilfen

Opferbeauftragter: Manche Flutopfer warten bis heute auf Aufbauhilfen
Die Folgen der Flut im Ahrtal beschäftigen den Opferbeauftragten der Mainzer Landesregierung, Detlef Placzek, nach wie vor. Vielen im Tal gehe es fünf Jahre nach der Naturkatastrophe wieder gut - aber längst nicht allen.
08.07.2026
epd
epd-Gespräch: Karsten Packeiser (epd)

Mainz (epd). Auch fünf Jahre nach der Ahrtalflut haben zahlreiche Menschen aus der Region die Folgen der Katastrophe noch nicht überwunden. So verzögere sich der Wiederaufbau zerstörter Häuser wegen widersprüchlicher Gutachten oder unvollständig eingereichter Anträge, sagte der Opferbeauftragte der rheinland-pfälzischen Landesregierung, Detlef Placzek, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd): „Ganz konkret geht bei vielen die Puste aus.“ Der frühere Präsident des Landessozialamtes hat sich nach eigener Aussage bislang in über 270 Entschädigungsverfahren eingeschaltet, die nicht wie von den Betroffenen erhofft verliefen.

Beim Wiederaufbau habe es nicht an Geld gemangelt, stellte Placzek klar. Das Angebot, Privatleuten nicht den Zeitwert zerstörter Immobilien zu ersetzen, sondern 80 Prozent des Wiederaufbaus nach neuesten Baustandards zu finanzieren, sei durchaus anerkennenswert. Ende Juni lief die Antragsfrist für Wiederaufbauhilfen endgültig ab. Allerdings seien noch immer nicht alle Antragsverfahren abgeschlossen, und manche Betroffene der Flutwelle hätten längst Abschlagszahlungen und Ersparnisse aufgebraucht, berichtete der Landesbeauftragte. Dabei gehe es oft um Kommunikationsprobleme: So sei in einem Fall ein Antrag auf Hilfen zum „Bau eines Hauses“ anfangs abgelehnt worden, weil nicht explizit von „Wiederaufbau“ die Rede gewesen sei. Andere strittige Fragen umfassten beispielsweise die Zulässigkeit eines Kellers für Häuser, die vor der Zerstörung keinen besaßen.

Traumatisierte Flutopfer melden sich nach Jahren

Neben Hilfegesuchen zum Wiederaufbau gebe es auch Betroffene, die die Erlebnisse vom Juli 2021 noch immer nicht verarbeiten könnten. Die Suche nach Therapieplätzen gestalte sich in einigen Fällen bis heute schwierig. Bei manchen seien Albträume, Schlaflosigkeit oder Alkoholprobleme erst Jahre nach der Flutnacht aufgetreten, berichtete Placzek: „Solange Sie noch am Aufräumen sind, verdrängen sie das alles.“ Sein Büro habe fast 400 Personen bei der Suche nach einem passenden Therapieplatz unterstützt: „Zurzeit haben wir sechs offene Fälle.“

Die Mehrheit der Bewohner der Katastrophenregion habe die Folgen der Flutkatastrophe mittlerweile verarbeitet. „Man kann sagen: Den meisten Menschen geht es gut im Ahrtal“, zeigte sich Placzek überzeugt. „Eine soziale Gesellschaft sollte sich allerdings an denen orientieren, denen es nicht gut geht.“ Die Enttäuschung darüber, dass sich von den politisch Verantwortlichen für Versäumnisse beim Katastrophenschutz und Krisenmanagement niemand vor Gericht verantworten müsse, sitze weiter tief. Das noch nicht abgeschlossene Disziplinarverfahren gegen den früheren Landrat Jürgen Pföhler (CDU) könne je nach Ausgang dazu beitragen, die Stimmung in der Region zu befrieden.

Als Opferbeauftragter der Landesregierung ist Placzek Ansprechpartner für Menschen, die von Naturkatastrophen, Unglücken Terroranschlägen oder Straftaten von überregionalem Ausmaß betroffen waren. Das Amt war 2018 zum 30. Jahrestag der Flugschau-Katastrophe von Ramstein geschaffen worden.