Schwache Wirtschaft sorgt für weniger CO2-Emissionen

Schwache Wirtschaft sorgt für weniger CO2-Emissionen
Der Handel mit klimaschädlichen Emissionszertifikaten soll die Industrie bewegen, in klimafreundliche Technik zu investieren. Doch zuletzt ging der CO₂-Ausstoß nur noch langsam zurück.
07.07.2026
epd
Von Lukas Philippi (epd)

Dessau-Roßlau (epd). Die Einsparungen klimaschädlicher CO2-Emissionen deutscher Industrie- und Energieanlagen haben sich im vergangenen Jahr weiter verlangsamt. In 2025 sank der Ausstoß der im Europäischen Emissionshandel erfassten Betriebe um rund 3,2 Prozent auf 264 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, wie das Umweltbundesamt (UBA) und die Deutsche Emissionshandelsstelle am Dienstag in Dessau-Roßlau mitteilten. 2024 lag der Rückgang noch bei 5,5 Prozent. Insgesamt sind demnach 1.794 stationäre Industrie- und Energieanlagen in Deutschland vom Emissionshandel erfasst, kurz EU-ETS 1.

UBA-Präsident Dirk Messner betonte, die seit 2005 erfassten Emissionen hätten sich in den vergangenen 20 Jahren ungefähr halbiert. Die Entwicklung auf dem Weg zur Klimaneutralität habe sich jedoch verlangsamt. Die Fortschritte beim Klimaschutz in der Industrie der vergangenen Jahren seien zu großen Teilen auf die schwache Wirtschaftsleistung zurückzuführen und nicht auf eine Umstellung auf emissionsarme Produktion.

Dies müsse bei der anstehenden Reform des Emissionshandel berücksichtigt werden, forderte Messner: „Eingebettet in einen starken Instrumenten-Mix kann sich der Emissionshandel zum Taktgeber einer Modernisierungsagenda für den europäischen und deutschen Industriestandort entwickeln.“

Unterschiede zwischen Industrie und Energieversorgern

Deutliche Unterschiede zeigten sich laut Umweltbundesamt im vergangenen Jahr zwischen Industrie und Energiewirtschaft. Die Emissionen der erfassten Industrieanlagen lagen demnach bei 5,5 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Emissionsrückgang bei den Energieanlagen lag hingegen nur noch bei rund zwei Prozent und hat sich damit deutlich abgeschwächt (9,5 Prozent im Vorjahr).

Hauptursache sei einerseits die spürbar gestiegene Stromproduktion der Photovoltaik-Anlagen und die rückläufige Stromerzeugung aus Braunkohlekraftwerken. Zugleich dämpften aber höhere Emissionen der Steinkohle- und Erdgaskraftwerke, eine rückläufige Wasserkraft- und Windstromproduktion sowie gesunkene Stromnettoimporte den rückläufigen Effekt. Der Anteil erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch lag in Deutschland 2025 laut Umweltbundesamt bei rund 55 Prozent und ist damit gegenüber dem Vorjahr nur minimal gestiegen.

Weniger Emissionen bei Luftverkehr

Die Emissionen im Luftverkehr sanken in Deutschland 2025 um 2,2 Prozent auf rund 8,8 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente, nach einer Zunahme von 16 Prozent im Vorjahr. Auf europäischer Ebene stiegen dagegen die Emissionen im Luftverkehr um rund ein Prozent.

Die deutschen Gesamtemissionen aller Sektoren für das Jahr 2025 blieben im Vergleich zum Vorjahr laut Umweltbundesamt nahezu unverändert (minus 0,1 Prozent gegenüber 2024). Nach vorläufigen Angaben belaufen sich die Emissionen auf 649 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente. Die leichten Rückgänge im EU-ETS 1 seien dabei durch Anstiege der Emissionen im Gebäude- und Verkehrssektor revidiert worden.