Erfurt (epd). Mit zahlreichen Aktionen haben am Samstag in Erfurt mehrere Zehntausend Menschen gegen den dortigen AfD-Bundesparteitag protestiert. Auf nahezu allen zentralen Plätzen der Innenstadt feierten Stadtgesellschaft und angereiste Demonstrierende ein „Fest der Demokratie“. Zudem gab es mehrere Protestzüge und zeitweilige Blockadeaktionen.
Die Polizei Thüringen sprach am Samstagnachmittag auf Facebook von insgesamt rund 31.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die Kampagnenorganisation Campact von mindestens 50.000. Laut Polizei kam es nur zu wenigen Zwischenfällen. Vereinzelt sei Pfefferspray eingesetzt worden, um Rettungswege für Einsatzfahrzeuge freizuhalten.
Forderung nach Einleitung eines AfD‑Verbotsverfahrens
Die Protestierenden werfen der AfD vor, demokratische Grundwerte zu gefährden und ein gesellschaftliches Klima der Ausgrenzung zu fördern. Die Bundes-AfD wird vom Bundesamt für Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall geführt. Mehrere Landesverbände gelten demnach als gesichert rechtsextrem. In Redebeiträgen und auf Transparenten wurde die Einleitung eines AfD-Verbotsverfahrens vor dem Bundesverfassungsgericht gefordert.
Auch Polizeisprecher an Blockadepunkten und entlang der Demonstrationsrouten sprachen von einem friedlichen Verlauf. In den zurückliegenden Tagen waren Ausschreitungen befürchtet worden. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Horn (CDU) sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), die Grundstimmung an allen Ständen und Aktionspunkten sei „wunderbar entspannt“. Dieser bunte Protest sei eine „Werbung für die Stadt“. Auch in den eingerichteten Rückzugsräumen für Demonstrierende herrschte tagsüber entspannte Atmosphäre.
Straßenblockade am Morgen gescheitert
Unter dem Motto „Gott vertrauen. Jetzt handeln!“ gestalteten die beiden großen Kirchen in Erfurt einen ökumenischen Freiluftgottesdienst. Rund 500 Gläubige folgten der Einladung zum Gebet, darunter der mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer, Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow (Linke) und die Thüringer Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt.
Schon am Morgen war die angekündigte Blockade des zweitägigen Parteitags in Erfurt durch das Bündnis „widersetzen“ gescheitert. Zwar sei es mehreren Tausend Aktivisten gelungen, die Straßen zum Versammlungsort der AfD auf der Messe zu blockieren, erklärte ein Polizeisprecher. Doch seien die Delegierten größtenteils bereits zuvor dort eingetroffen, sodass der Parteitag pünktlich starten konnte. Das Bündnis „widersetzen“ sprach von zwölf Blockadepunkten mit insgesamt rund 17.000 Teilnehmenden.




