Frankfurt a.M., Jerusalem (epd). Die Situation für Christinnen und Christen in Israel und Palästina ist laut dem evangelischen Jerusalemer Propst Joachim Lenz durch den Nahost-Konflikt schwieriger geworden. Auch in Städten wie Bethlehem sei der Druck für christliche Familien groß, das Land zu verlassen, sagte Lenz dem Evangelischen Pressedienst (epd). Vor allem der wirtschaftliche Druck wachse. Ein Großteil der Menschen im Westjordanland habe keine Arbeit mehr. Lenz ist Vertreter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Heiligen Land.
Aus der EKD-Partnerkirche, der Evangelisch-lutherischen Kirche in Jordanien und dem Heiligen Land, höre er, dass in den vergangenen zwei Jahren gut 40 Familien ausgewandert seien. „Das ist ein großer Aderlass“, sagte Lenz. Natürlich betreffe die Drucksituation nicht nur Christen, die unter zwei Prozent der Bevölkerung ausmachten. Die Folge sei, dass die verfasste Kirche vor Ort auch keine große Stimme habe. „Die israelische Verwaltung nimmt erkennbar weniger Rücksicht auf die Kirchen“, sagte Lenz. Es gebe mittlerweile weder aufseiten der Jerusalemer Stadtverwaltung noch aufseiten der Regierung Ansprechpersonen.
„Wir versuchen, im Kleinen die Türen offenzuhalten“
„Als vor einigen Wochen eine katholische Ordensfrau zu Boden gestoßen und getreten wurde, gab es zwar ganz viel Solidarität aus der israelischen Gesellschaft. Aber kein einziger Politiker kam“, sagte Lenz.
„Wir versuchen, im Kleinen die Türen offenzuhalten - nicht nur für Deutschsprachige, auch für viele andere - und den ökumenischen Partnerkirchen möglichst viel an Unterstützung zukommen zu lassen“, sagte Lenz. „Wir versuchen auch, diejenigen zu stärken, die sich hier für eine gerechte und friedliche Zukunft einsetzen.“ Das seien etwa die Rabbis for Human Rights und andere Menschenrechtsorganisationen. „Als Gemeinde haben wir finanziell nur einen sehr engen Spielraum, auch weil uns durch den ausbleibenden Pilgertourismus wichtige Einnahmen fehlen. Trotzdem hat der Kirchengemeinderat auch in diesem Jahr den alljährlichen Marsch für Menschenrechte und Frieden wieder finanziell unterstützt.“ Er sei dankbar für die finanzielle Unterstützung der EKD.
Der Theologe verlässt Jerusalem Ende Juli. Ab Herbst wird er im evangelischen Seminar für pastorale Ausbildung in Wuppertal junge Vikarinnen und Vikare als Hilfsdozent ausbilden. Sein Nachfolger ist Olliver Zobel aus der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Er beginnt allerdings erst am 1. Dezember.




