Studie: Jeder dritte Ausgewanderte nennt Bürokratie als Motiv

Studie: Jeder dritte Ausgewanderte nennt Bürokratie als Motiv
Probleme bei Visaverfahren, Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt und Kritik an langsam arbeitenden Behörden: Rund jeder dritte Ausgewanderte nennt einer aktuellen Studie zufolge bürokratische Hürden als Grund für den Wegzug aus Deutschland.

Berlin (epd). Viele nach Deutschland eingewanderte Menschen haben das Land einer aktuellen Studie zufolge wegen bürokratischer Hürden wieder verlassen. Rund ein Drittel der Ausgewanderten (32 Prozent) nannten aufwendige Prozesse bei Aufenthaltstiteln, Visa-Verfahren und der Arbeitssuche als Grund für ihre Ausreise, wie eine am Donnerstag in Berlin vorgestellte Folgebefragung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigt. Lediglich partnerschaftliche und familiäre Gründe wurden häufiger als Grund für einen Wegzug genannt (39 Prozent).

Das IAB, das zur Bundesagentur für Arbeit gehört, hatte in einer ersten repräsentativen Umfrage von Dezember 2024 bis April 2025 etwa 50.000 Menschen zwischen 18 und 65 Jahren befragt, die im Ausland geboren wurden und jetzt in Deutschland leben. Die nun veröffentlichten Ergebnisse beruhen auf einer Folgebefragung von über 15.000 der Befragten bis Februar 2026. Rund drei Prozent der Eingewanderten hatten bereits in der ersten Befragungsrunde Abwanderungspläne geäußert. Die neuen Daten zeigen nun: 2,6 Prozent der Befragten (hochgerechnet 260.000 Menschen) haben ihre Auswanderungspläne in die Tat umgesetzt und Deutschland verlassen.

Bürokratieabbau für verbesserte Bleibeperspektiven

Laut IAB-Forscherin Yuliya Kosyakova ist Abwanderung immer das Ergebnis verschiedener Faktoren. Angesichts sinkender Zuzüge werde es jedoch „arbeitsmarktpolitisch wichtiger, frühzeitig zu erkennen, wer über Abwanderung nachdenkt - um Bleibeperspektiven gezielt zu stärken“, sagte Kosyakova. Dabei empfiehlt die Forscherin eine Koordinationsstelle, die bürokratische Verfahren bündelt.

„Wenn administrative Verfahren als langwierig, unverständlich oder schwer zugänglich erlebt werden, kann dies Bleibeperspektiven belasten“, so IAB-Forscherin Julia Reinold. Besonders häufig wurden von den Befragten nicht beantwortete Behördenanfragen, lange Verfahrensdauern, hohe Gebühren und unklare Abläufe als negativ angemerkt.