Militärbischof Felmberg: Seelsorgebedarf bei der Bundeswehr steigt

Militärbischof Felmberg: Seelsorgebedarf bei der Bundeswehr steigt
Die Bedrohungslage in der Welt wächst, Deutschland reagiert darauf unter anderem mit einer Aufstockung der Streitkräfte. Militärbischof Bernhard Felmberg fordert für die Betreuung und ethische Bildung der Bundeswehrsoldaten mehr Militärgeistliche.
01.07.2026
epd
epd-Gespräch: Julia Pennigsdorf

Hannover, Berlin (epd). Angesichts der verschärften weltweiten Sicherheitslage sieht der evangelische Militärbischof Bernhard Felmberg einen erhöhten Seelsorgebedarf unter Soldatinnen und Soldaten. „Um das Niveau zu halten, benötigen wir bis Mitte der 30er Jahre 42 zusätzliche Militärgeistliche“, sagte der Theologe in Hannover dem Evangelischen Pressedienst (epd). Zurzeit gibt es in Deutschland 100 Militärseelsorger. Die Streitkräfte sollen nach Plänen der Bundesregierung von zurzeit rund 180.000 auf 260.000 aktive Soldatinnen und Soldaten wachsen.

Das Vertrauen und die Akzeptanz in die Militärseelsorge sei konfessionsübergreifend groß, betonte Felmberg. Die Zustimmung der Soldaten liege einer Studie zufolge im Inland bei 91, im Ausland bei 96 Prozent. „Das sind enorme Werte, wenn man das mit dem zivilen Bereich vergleicht.“ Austritte aus der Kirche kommen Felmberg zufolge in der Truppe deutlich seltener vor, der Bedarf an seelischem Beistand und Gesprächen sei wesentlich höher. Etwa 50.000 Bundeswehrsoldaten sind evangelisch - rund 28 Prozent der Truppe.

Soldaten benötigen ethische Bildung

Felmberg unterstrich darüber hinaus die Bedeutung des von Militärgeistlichen erteilten sogenannten „Lebenskundlichen Unterrichts“ für Soldaten. Dieser nicht religiös geprägte Unterricht sei unter anderem dafür wichtig, um Soldaten ethisch auf die Themen Tod und Verwundung vorzubereiten. Es gehe darum, Soldatinnen und Soldaten ethisch zu bilden und auf das vorzubereiten, von dem jeder hoffe, dass es nicht eintreten werde, sagte Felmberg. „Worauf achte ich, wie verhalte ich mich etwa in einer Kampfsituation, um meinen Gegner nicht zu entmenschlichen.“

Der „Lebenskundliche Unterricht“ sei für die Truppe auch deshalb wichtig, weil er außerhalb des Hierarchiegefüges der Bundeswehr stehe. „Es ist ein Freiraum, in dem Soldatinnen und Soldaten Gedanken, Meinungen, Ängste und Sorgen frei äußern können.“ Felmberg ist seit Oktober 2020 Bischof für die evangelische Seelsorge in der Bundeswehr.