Demoskop: Wählerpotenzial der AfD nahezu ausgeschöpft

Demoskop: Wählerpotenzial der AfD nahezu ausgeschöpft
Laut dem Demoskopen Manfred Güllner könnte die AfD ihr bundesweites Potenzial bei 28 Prozent fast ausgeschöpft haben. Die Regierungsparteien könnten jeweils fast doppelt so viele Wähler mobilisieren, schafften dies aber nicht.

Berlin (epd). Der Demoskop Manfred Güllner sieht das bundesweite Wählerpotenzial der AfD nahezu ausgeschöpft. 20 Prozent aller Wahlberechtigten wollten derzeit die Partei wählen, weitere acht Prozent könnten es sich vorstellen. Dieser Wert steige aber seit Wochen nicht, obwohl der Frust über die Bundesregierung anhalte, sagte Güllner im „Tagesspiegel“ (Sonntag).

Ein Teil der AfD-Anhänger gehöre zum rechtsradikalen Milieu, das „seit jeher bei über zehn Prozent der Wahlberechtigten lag“, führte Güllner aus. Der AfD gelinge es aber - anders als einst der NPD oder den Republikanern - , diese Menschen an die Wahlurne zu bewegen.

SPD setzt „auf die falschen Themen“

Zugleich besitze die SPD ein Wählerpotenzial von 46 Prozent der Wahlberechtigten, die Union von 45 Prozent. Beide Regierungsparteien schöpften ihr Potenzial allerdings derzeit nicht aus. „Viele, viele Millionen Wahlberechtigte sind an sich Unions- oder SPD-geneigt, fühlen sich aber abgeschreckt von deren derzeitigem inhaltlichem und personellem Angebot.“

Vor allem die SPD setze „auf die falschen Themen“. So habe die Partei zu lange „teils verbissen“ für das Bürgergeld gekämpft und damit Menschen mit regulären Jobs verprellt, sagte Güllner, der selbst SPD-Mitglied ist.

Im Osten Wählerpotenzial bei 41 Prozent

Der Demoskop hält eine absolute AfD-Mehrheit nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September für „durchaus möglich“. Im Osten könnten sich 41 Prozent der Wahlberechtigten eine AfD-Wahl vorstellen.

Ein am Donnerstag veröffentlichtes Gutachten, das der AfD Verfassungswidrigkeit attestiert, hat die Debatte um ein Verbotsverfahren neu entfacht. Das Bundesamt für Verfassungsschutz hatte die Partei im Frühsommer 2025 als „gesichert rechtsextremistische Bestrebung“ eingestuft. Die Einstufung ist derzeit wegen eines Gerichtsverfahrens ausgesetzt.