Bundespräsident Steinmeier würdigt Habermas als Demokratie-Denker

Bundespräsident Steinmeier würdigt Habermas als Demokratie-Denker
In einer Gedenkstunde an den verstorbenen Philosophen Jürgen Habermas hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Ansprache gehalten. Habermas habe die Verantwortung aller für die Demokratie deutlich gemacht, sagte er.

Frankfurt a.M. (epd). Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den im März gestorbenen Philosophen Jürgen Habermas als einen prägenden Denker der Demokratie gewürdigt. Durch sein ganzes Wirken habe sich der Versuch gezogen, eine philosophische Begründung der Demokratie zu liefern, sagte Steinmeier laut Redemanuskript am Freitag in der Frankfurter Paulskirche.

Habermas habe als junger Zeitzeuge des NS-Regimes den „notwendigen Bruch mit autoritären Traditionen“ und „die Verpflichtung auf das Erbe der Aufklärung und die Würde des Menschen“ gewollt, sagte Steinmeier in einer von der Stadt Frankfurt, der Goethe-Universität und dem Suhrkamp-Verlag veranstalteten Gedenkfeier. Das Schicksal Millionen entrechteter, verfolgter und ermordeter Juden in Europa solle niemandem mehr widerfahren. In diesem Zusammenhang sei es Habermas immer mehr um Europa gegangen - „als eine sich selbst auf Menschenrechte, Demokratie, Frieden und Freiheit verpflichtende Gemeinschaft“, die den Nationalismus mit seinen zerstörerischen Folgen überwinden sollte.

Ein öffentlicher Diskurs gehört zur Substanz der Demokratie

Die Aufgabe des öffentlichen Diskurses sei nach Habermas der ernste Streit zwischen kritisch geprüften Erkenntnissen, sagte der Bundespräsident. „Der öffentliche Raum eines vernünftigen Diskurses gehört zur Substanz des demokratischen Staates, der freiheitlichen Gesellschaft.“ Habermas habe von der „Gefahr einer Kolonialisierung der Lebenswelt durch die Systemgewalten von Geld und Macht“ gesprochen. „Wir alle sind darum zu einem Gespräch aufgerufen, einem Diskurs, der uns auf das Argument verpflichtet.“

Jürgen Habermas, 1929 in Düsseldorf geboren, war neben wissenschaftlichen Stationen in Heidelberg, Starnberg und München langjähriger Professor für Philosophie in Frankfurt am Main. Er war prominenter Vertreter der zweiten Generation der sogenannten Frankfurter Schule rund um das Institut für Sozialforschung in der Stadt am Main. Als Hauptwerk gilt seine 1981 erschienene „Theorie des kommunikativen Handelns“. Er starb am 14. März im Alter von 96 Jahren in Starnberg.