Kolumbien: ELN-Guerilla kündigt Waffenruhe für die Stichwahl an

Kolumbien: ELN-Guerilla kündigt Waffenruhe für die Stichwahl an
In einem Klima eskalierender Gewalt wählt Kolumbien am Sonntag einen neuen Präsidenten. Zur Wahl stehen der rechte Hardliner Abelardo de la Espriella und der linke MenschenrechtlerIván Cepeda.

Berlin, Bogotá (epd). In Kolumbien hat die ELN-Guerilla eine dreitägige Waffenruhe für das Wochenende der Stichwahl zur Präsidentschaft angekündigt. Auf ihrer Webseite veröffentlichten die Rebellen am Montag eine entsprechende Erklärung. Man werde die Waffen vom 20. bis 22. Juni schweigen lassen.

Am Sonntag treten der linke Menschenrechtler und Senator Iván Cepeda und der Anwalt und rechte Hardliner Abelardo de la Espriella gegeneinander an. Die erste Runde der Präsidentschaftswahlen am 31. Mai hatte de la Espriella mit 43,7 Prozent für sich entschieden, knapp drei Prozentpunkte vor Cepeda. Während der in Umfragen leicht führende Abelardo dafür plädiert mit Militärgewalt gegen Drogenbanden und Guerillas vorzugehen, möchte Cepeda den bisherigen Weg des aktuellen Präsidenten Gustavo Petro fortsetzen. Petro hat während Amtszeit versucht, mit Verhandlungen und einer stärkeren Sozialpolitik das Land zu befrieden.

Immer wieder Anschläge

Auch bei vergangenen Wahlen hatte die ELN eine Waffenruhe angekündigt. Gleichzeitig warnten die Vereinten Nationen im April, die Präsenz bewaffneter Gruppen könnten die Entscheidungsfindung und die Teilnahme an den Wahlen insbesondere im ländlichen Raum stark einschränken.

Trotz eines Friedensabkommens im Jahr 2016 mit der damals größten Guerilla Farc und wiederholten Friedensverhandlungen mit Rebellen und paramilitärischen Gruppen, eskaliert die Gewalt in Kolumbien seit Monaten. Es gibt regelmäßig Anschläge und bewaffnete Kämpfe. Die bewaffneten Gruppen finanzieren sich hauptsächlich mit dem illegalen Goldabbau und der Produktion von Kokain für den US-amerikanischen und europäischen Markt. Aktuell sind nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks rund sieben Millionen Menschen innerhalb Kolumbiens auf der Flucht vor der Gewalt. Seit Beginn des Konflikts in den 1960er Jahren sind rund 300.000 Menschen getötet worden.