Löhrmann: Kirchen haben wichtige Rolle im Kampf gegen Antisemitismus

Löhrmann: Kirchen haben wichtige Rolle im Kampf gegen Antisemitismus
Die christlichen Kirchen waren lange durch eine antijüdische Haltung geprägt. Das sei weitgehend Geschichte, sagt die NRW-Antisemitismusbeauftragte Löhrmann. Die Kirchen seien wichtig für die Bekämpfung von Judenhass.
13.06.2026
epd
epd-Gespräch: Irene Dänzer-Vanotti (epd)

Düsseldorf (epd). Die christlichen Kirchen können nach Einschätzung der nordrhein-westfälischen Antisemitismusbeauftragten Sylvia Löhrmann im Kampf gegen Antisemitismus eine maßgebliche Rolle spielen. Sie hätten sich ihrer unrühmlichen Vergangenheit einer antijüdischer Haltung gestellt und diese Haltung weitgehend verändert, sagte Löhrmann dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Kirchen könnten zeigen, „dass Veränderung möglich ist und Tradition nicht Stillstand bedeutet“.

Die 69-jährige Grünen-Politikerin hob die Verdienste der Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit (GCJZ) in Düsseldorf hervor, die am Sonntag ihr 75-jähriges Bestehen feiert. Der Dialog der Religionen, in dem jahrhundertealte Muster gegenseitiger Verachtung aufgearbeitet würden, sei eine Inspiration für die ganze Gesellschaft im Umgang mit Vorurteilen, betonte die Beauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen für die Bekämpfung des Antisemitismus sowie für jüdisches Leben und Erinnerungskultur.

Jüdisches Leben Teil der Gegenwart

Die Christlich-Jüdische Gesellschaft habe Begegnungen zwischen jüdischen und christlichen Bürgerinnen und Bürgern nach dem Holocaust ermöglicht, sagte Löhrmann. „Im Mittelpunkt steht dabei die Erfahrung, dass jüdisches Leben nicht abstrakt oder ausschließlich als historische Erinnerung wahrgenommen wird, sondern selbstverständlicher, sichtbarer, lebendiger Teil unserer Gegenwart ist.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Rückkehrer und Überlebende des Holocaust mit Düsseldorfer Bürgern 1951 die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gegründet. Der Vorstand setzte sich aus je drei jüdischen, katholischen und evangelischen Mitgliedern zusammen, die in der NS-Zeit verfolgt wurden oder mit dem Regime in Konflikt gerieten. 1970 übernahm die Gesellschaft im Auftrag der Staatsanwaltschaft die Betreuung ausländischer Zeugen in drei großen NS-Prozessen, etwa im Rahmen des Majdanek-Prozesses. Später verlagerte sich die Arbeit auf Vorträge, Seminare und Studienfahrten.