Berlin, Bogotá (epd). In Kolumbien hat der Senat am Mittwoch (Ortszeit) einstimmig eine Gesetzesinitiative zur Bekämpfung von Genitalverstümmelungen bei Frauen und Mädchen verabschiedet. Das von Menschenrechtsorganisationen und indigenen Gemeinschaften eingebrachte Gesetz soll vor allem präventive Maßnahmen gegen die bei Urvölkern weiterhin weit verbreitete Praxis fördern, wie die Zeitung „El Tiempo“ berichtete. Zudem sollen Institutionen zur besseren Begleitung von Opfern geschaffen werden. Konkrete Strafmaßnahmen werden nicht eingeführt, um zu vermeiden, dass die Praxis im Geheimen weitergeführt wird.
Nach der Zustimmung des Senats bedankte sich die indigene Aktivistin Claudia Queragama bei den Abgeordneten, die das Gesetz unterstützt hatten. „Unsere Gemeinschaften werden dadurch gestärkt, da wir unter einer sehr komplexen Situation leiden und die Frauen verstehen müssen, dass wir unseren Mädchen keinen Schaden zufügen sollen.“ Die Aktivistin der indigenen Gemeinschaft Embera Katío im Westen Kolumbiens wurde selbst Opfer von Genitalverstümmelung und war federführend bei der Erarbeitung des Gesetzes.
Hohe Dunkelziffer
Kolumbien ist laut den Vereinten Nationen das einzige Land Amerikas, in dem Mädchen an den Genitalien verstümmelt werden. Einzelne indigene Gemeinschaften sehen es als eine traditionelle Praxis. Das kolumbianische Justizministerium registrierte laut „El Tiempo“ zwischen Januar 2024 und März 2026 insgesamt 98 Fälle von Genitalverstümmelung, wobei von einer sehr großen Dunkelziffer ausgegangen wird. Über die Hälfte der Eingriffe wurde demnach an Mädchen unter fünf Jahren vorgenommen.
Laut Unicef werden weltweit etwa 4,5 Millionen Mädchen jährlich Opfer von Genitalverstümmelung, vor allem in Afrika und arabischen Ländern. Die Verstümmelung der Genitalien kann massive körperliche und seelische Schäden verursachen.



