Frankfurt a.M., Bunia (epd). Der Kampf gegen Ebola ist für den Medizinanthropologen Sung-Joon Park im Ostkongo ein Kampf gegen Misstrauen und Desinformationen. Um die Verbreitung des Virus einzudämmen und Überlebenschancen der Infizierten zu erhöhen, sei es unerlässlich, dass sich an Ebola erkrankte Menschen schnell in Behandlung begeben, berichtete der Experte vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin dem Evangelischen Pressedienst (epd) aus dem Epizentrum in der Ituri-Provinz. „Es gibt hier so viel Misstrauen in der Bevölkerung, so etwas habe ich selten erlebt.“
Nicht zuletzt über die sozialen Medien verbreiteten sich Gerüchte, dass mit der nun anlaufenden großen Intervention von Weltgesundheitsorganisation (WHO) und anderen Akteuren Geld gemacht werden solle und jeder Patient den Profit nach oben treibe, erklärte Park. Wenn den Menschen dann gesagt werde, sie sollten ihre Kranken in die Hände der fremden Helfer geben, mache das vielen Angst und stoße auf Widerstand.
„Nicht nur wir sprechen“
Teilweise sei die extreme Skepsis durch die anhaltende Ausbeutung der Bergbauregion, Erfahrungen mit veruntreuten Geldern und immer wiederkehrenden Enttäuschungen zu erklären. „Die Menschen haben das Gefühl, dass sie verlieren, während andere von ihrem Leid profitieren“, sagte Park. Andererseits seien Misstrauen und Desinformationen auch anderswo Hürden bei der Bekämpfung von Krankheiten, betonte der Anthropologe mit Blick beispielsweise auf die Corona-Pandemie.
Um Vertrauen in die Ebola-Maßnahmen zu schaffen, unterstützt Park in Zusammenarbeit mit dem Pole-Institut in Goma die Bemühungen der WHO, etwa durch öffentliche Treffen, auf denen die Menschen ihre Bedenken und Fragen vorbringen können. Das geschehe im Dialog, unterstrich Park: „Nicht nur wir sprechen.“
„Die Menschen müssen uns direkt sehen“
Dabei sei auch ausschlaggebend, mit lokalen Organisationen zu arbeiten, die die Region kennen und das Vertrauen der Bevölkerung genießen. Bei den Treffen setze man so darauf, „dass diese Glaubwürdigkeit ausstrahlt“. Das Pole-Institut engagiert sich seit langem in der Konfliktlösung und -prävention in der von anhaltender Gewalt erschütterten Region.
Wichtig sei zudem, direkt vor Ort zu sein. Zwar werde auch über WhatsApp-Gruppen oder im Gespräch mit Community-Leaders versucht, dem Misstrauen zu begegnen. „Aber die Menschen müssen uns direkt sehen“, betonte Park. Das sei für die Bevölkerung auch eine Methode der Verifizierung - und helfe, die Glaubwürdigkeit der Informationen zu untermauern.



