München (epd). Der Psychiater Manfred Lütz hält es für verharmlosend, den US-Präsidenten Donald Trump „als irren Clown mit orangen Haaren“ darzustellen. „Dazu neigen die Medien, weil der Mensch die Wahrheit kaum aushält. Trump handelt nicht geisteskrank, sondern vollkommen amoralisch“, sagte Lütz der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag). Der US-Präsident, der am 14. Juni 80 Jahre alt wird, sei durchaus selbst verantwortlich für sein Handeln.
Wenn Trump eine psychische Störung hätte, könnte man ihn behandeln. „Danach ginge es ihm und anderen besser“, sagte Lütz und fügte hinzu: „Aber er hat keine Störung.“
„Es hat immer schon merkwürdige Menschen gegeben“
Trump sei seiner Einschätzung nach ein Mensch, der von seinem Vater geradezu dressiert wurde. „Der hat ihm offenbar vermittelt, dass Moral etwas für schwache Menschen sei, und dass es wichtig ist, im Leben Erfolg und Geld zu haben. Und dass man dafür alles tun darf“, sagte der Psychiater und Bestsellerautor.
Das Problem von Trump sei nicht Trump: „Es hat immer schon merkwürdige Menschen gegeben und auch amoralische“, sagte Lütz. Das Erschütternde sei, dass die Hälfte einer bisher für demokratisch gehaltenen Nation einen solchen Menschen zu ihrem Präsidenten gewählt habe. „Darüber müsste man mehr reden als über irgendwelche psychischen Macken von Donald J.“, sagte der Psychiater, Psychotherapeut und Theologe.



