Frankfurt a.M. (epd). Die christliche Friedensbewegung hat ein radikales Umdenken in der Sicherheitspolitik gefordert: weg von militärischer Aufrüstung, hin zu mehr Diplomatie. In der am Freitag online vorgestellten ökumenischen Friedensschrift „Wer Frieden will, muss mit dem Feind reden“ plädieren sie auch mit Blick auf den Ukraine-Krieg für eine konsequent zivile „Friedenslogik“ statt militärischer Eskalation, eine Stärkung des Völkerrechts und für die Berücksichtigung der Interessen aller Konfliktparteien. Die Kirchen müssten ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden, Kriegsdienstverweigerung zu unterstützen und sich klar gegen die Militarisierung der Gesellschaft zu stellen.
Es sei ein Mythos, dass Frieden „durch militärische Gewalt und Drohung zu erreichen“ sei, hieß es weiter. Der Ansatz unterscheidet sich von der Friedens-Denkschrift des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von 2025 und dem Friedenswort der Deutschen Bischöfe von 2024. Die EKD-Denkschrift („Welt in Unordnung“) betont zwar das Primat der Gewaltfreiheit, hält aber militärische Gegengewalt als „letztes Mittel“ zum Schutz vor Gewalt ausdrücklich für möglich und teils notwendig. Das katholische Friedenswort („Friede diesem Haus“) sagt ebenfalls, militärische Gewalt beziehungsweise Gegengewalt bleibe als Ultima Ratio gerechtfertigt, wenn Menschen massiv bedroht sind.
Verurteilung von Massenvernichtungswaffen
Die Autoren fordern ein kategorisches Nein zum Besitz von Atomwaffen und mahnen den Beitritt zum UN-Atomwaffenverbotsvertrag an. Sie fordern, die Verweigerung des Waffendienstes zum christlichen Normalfall zu erheben. Die Schrift versteht sich als notwendiger Impuls für eine Erneuerung der christlichen Friedensethik, die sich konsequent an der prophetisch-jesuanischen Tradition orientiert.
Verfasst wurde die Schrift von einem vierköpfigen Team aus Friedensaktivisten und Theologen: dem Sozialunternehmer Ralf Becker, der Pfarrerin und früheren Freiburger Friedensinstituts‑Leiterin Karen Hinrichs, dem emeritierten Bielefelder Theologie‑ und Soziologieprofessor Heinrich Schäfer sowie dem Religionspädagogen Theodor Ziegler.



