Hilfsorganisation Sea-Watch nimmt neues Rettungsschiff in Betrieb

Hilfsorganisation Sea-Watch nimmt neues Rettungsschiff in Betrieb
Die Seenotretter von Sea-Watch wollen mit einem neuen Rettungsschiff ihre Einsatzfähigkeit auf dem Mittelmeer erweitern.

Berlin, Lampedusa (epd). Die Hilfsorganisation Sea-Watch nimmt ein neues Rettungsschiff in Betrieb. „Mit der 'Aurora 2' reagiert die Organisation auf die wiederholten Festsetzungen ziviler Rettungsschiffe durch die italienischen Behörden“, teilten die Seenotretter am Donnerstag in Berlin mit. Künftig könne Sea-Watch auch dann im Einsatz bleiben, wenn eines ihrer Schiffe blockiert werde. Während ein Schiff festgesetzt sei, stehe das andere für Rettungseinsätze bereit. „Die Strategie der ultra-rechten Regierung, die Rettung von Menschen durch Festsetzungen einzuschränken, läuft damit ins Leere“, hieß es weiter.

Julia Winkler, Sprecherin der Organisation Sea-Watch, ergänzte: „Die Aurora 2 ist unsere Kampfansage an die faschistische italienische Regierung.“

Teil von Justice Fleet

Sea-Watch betreibt den Angaben nach neben dem großen Schiff „Sea-Watch 5“ auch ein kleineres und schnelleres Schiff - die „Aurora“. Die „Aurora“ erreicht demnach Höchstgeschwindigkeiten bis zu 25 Knoten und kann so Menschen in Seenot schnell erreichen. Mit der Aurora 2 will die Organisation laut eigener Aussage ihre Einsatzfähigkeit gezielt erweitern.

Sea-Watch ist Teil von Justice Fleet, einem Bündnis ziviler Seenotrettungsorganisationen, zu dem neben Sea-Watch unter anderem auch SOS Humanity gehört. Nach Angaben des Bündnisses wurden allein seit Beginn des Jahres mehrere zivile Rettungsschiffe festgesetzt.

Gefährlichste Fluchtroute der Welt

Im Januar 2023 war in Italien das sogenannte Piantedosi-Gesetz in Kraft getreten, das Verschärfungen für Hilfsorganisationen vorsieht. So müssen die Rettungsschiffe nach dem ersten Einsatz unverzüglich den ihnen zugewiesenen Hafen ansteuern. Dabei weisen die Behörden den Schiffen meist weit im Norden Italiens liegende Häfen zu. Bei Verstößen werden die Schiffe häufig festgesetzt.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Aus nordafrikanischen Ländern wie Libyen oder Tunesien brechen Geflüchtete und Migranten immer wieder in Richtung Europa auf, häufig in nicht seetauglichen Booten. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) kamen seit Beginn des Jahres mindestens 1.246 Menschen bei der Überfahrt ums Leben oder sie werden vermisst.