Tutzing, Erlangen (epd). Der Ethik-Experte Peter Dabrock warnt davor, Künstliche Intelligenz religiös zu überhöhen. „Nicht eine göttliche Superintelligenz bedroht Freiheit und Demokratie, sondern eine irdische Machtkonzentration: die Verbindung von Tech-Konzernen, Finanzmacht, Sicherheitsinteressen und Politik“, schreibt der frühere Vorsitzende des Deutschen Ethikrats in einem Blog-Beitrag für die Evangelische Akademie Tutzing. Diese betrachteten demokratische Kontrolle eher als Hindernis denn als Bedingung legitimer Gestaltung.
Der Erlanger Theologie-Professor beschreibt KI als Technologie, die bestehende Kräfte bündeln und verstärken könne. Sie sei also keine neutrale Instanz, sondern eingebunden in Konzerne, Datensammlungen, politische Interessen und sicherheitspolitische Strategien. Wer KI einsetze, verschaffe sich damit oft auch Einfluss auf Informationen, Entscheidungen und Verhalten anderer. Zwar könne KI in Medizin, Verwaltung oder Industrie nützlich sein, zugleich aber Freiheitsrechte, Chancengleichheit und die Demokratie unter Druck setzen.
Plädoyer für digitale Eigenständigkeit
In dem Beitrag betont Dabrock, dass Verantwortung nicht in technischen Abläufen verschwinden dürfe. Wenn KI diskriminiere oder Fehler verursache, müssten Unternehmen, Entwickler und Behörden dafür geradestehen. Transparenz und Nachvollziehbarkeit seien wichtig, reichten aber allein nicht aus. Notwendig seien auch Regeln, Kontrolle und Haftung. Mit Blick auf Europa plädiert Dabrock für mehr digitale Eigenständigkeit. Gesellschaften dürften sich nicht vollständig von wenigen globalen Anbietern abhängig machen.



