Oberursel (epd). Die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf, hat eine verlässliche Finanzierung des Gewaltschutzes für Frauen gefordert. Sie finde es „skandalös“, dass Frauenhäuser und Frauenberatungsstellen keine Pflichtaufgabe der Kommunen seien und daher nicht verlässlich finanziert würden, sagte sie der Zeitschrift „Publik-Forum“ (Freitag). „Schutz vor Gewalt darf nicht davon abhängen, ob eine Kommune Geld übrig hat“, sagte die Juristin.
„Die Folge ist, dass viele Einrichtungen von zivilgesellschaftlichen Organisationen getragen werden und unter großer finanzieller Unsicherheit arbeiten“, sagte Rudolf weiter. Dabei gehe es um den „Schutz grundlegender Menschenrechte“. Als Meilenstein bezeichnete sie, dass der Bundestag parteiübergreifend einen Rechtsanspruch auf Schutz und Beratung eingeführt hat und der Bund sich am Ausbau des Hilfesystems finanziell beteiligen will.
Rudolf: Frauenfeindlichkeit und autoritäres Denken hängen zusammen
Gewalt gegen Frauen sei sehr lange ein Tabuthema gewesen, sagte Rudolf. Dabei gehe es nicht allein um individuelles Fehlverhalten einzelner Täter, „sondern um gesellschaftliche Strukturen, um Machtverhältnisse und Geschlechterbilder“. Gewalt gegen Frauen spiegele sich „in Rollenbildern, in Gesetzen, in gesellschaftlichen Erwartungen“. Letztlich gehe es um Macht und Kontrolle und damit auch um Vorstellungen, „dass Männer Frauen übergeordnet sind“.
Als „sehr gefährlich“ bewertete Rudolf frauenfeindliche Onlinemilieus. Dort würden „Frauenhass und abwertende Frauenbilder systematisch verbreitet“, sagte sie. Das sei nicht nur ein Problem für Frauen, sondern „ein Problem für unsere Demokratie“. „Frauenfeindlichkeit und autoritäres Denken hängen eng zusammen.“



