Staat gibt mehr für Soziales aus

Staat gibt mehr für Soziales aus
Für monetäre Sozialleistungen hat der Staat im vergangenen Jahr 751,2 Milliarden Euro ausgegeben, eine Steigerung von 5,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Sozialverband VdK hält reine Kürzungsdebatten dennoch für eine schlechte Idee.
28.05.2026
epd
Von Elisa Makowski und Nils Sandrisser (epd)

Wiesbaden (epd). Der Anteil der Geldleistungen für soziale Zwecke ist im Jahr 2025 mit 33,2 Prozent der staatlichen Gesamtausgaben weitgehend gleich geblieben. Zwar habe der Staat im vergangenen Jahr 41,7 Milliarden Euro oder 5,9 Prozent mehr ausgegeben als im Vorjahr, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mit. Die staatlichen Ausgaben insgesamt seien aber mit einer Rate von 5,7 Prozent in ähnlicher Größenordnung gewachsen. Der Leiter der Abteilung Sozialpolitik des Sozialverbands VdK, Jonas Fischer, erteilte reinen Kürzungsdebatten eine Absage.

An reinen Geldleistungen habe der Staat im vergangenen Jahr 751,2 Milliarden Euro für soziale Zwecke ausgegeben, teilte das Bundesamt weiter mit. Im langjährigen Durchschnitt seit 1991 legten die Sozialleistungen demnach um 3,4 Prozent zu.

Unterschiedliche Entwicklung einzelner Leistungen

Im Jahr 2025 entwickelten sich einzelne Sozialleistungen unterschiedlich: So stiegen die Geldleistungen der Deutschen Rentenversicherung (plus 5,9 Prozent auf 417,9 Milliarden Euro) sowie die öffentlichen Pensionen (plus 5,1 Prozent auf 95,0 Milliarden Euro) spürbar an. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit sorgte für hohe Zuwächse beim Arbeitslosengeld 1 (plus 19,1 Prozent auf 28,2 Milliarden Euro) und bei den staatlichen Zuschüssen für die Berufsförderung (plus 19,4 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro).

Erheblich mehr als im Vorjahr wurde auch für Wohngeld ausgegeben (plus 26,7 Prozent auf 5,0 Milliarden Euro). Beim Krankengeld war ein Plus von 5,0 Prozent auf 22,3 Milliarden Euro zu verzeichnen, beim Pflegegeld eine Zunahme um 13,1 Prozent auf 31,9 Milliarden Euro und bei der Sozialhilfe ein Anstieg um 7,8 Prozent auf 44,4 Milliarden Euro. Dagegen war das Bürgergeld leicht rückläufig (minus 1,5 Prozent auf 29,4 Milliarden Euro).

Experte: Kürzungen wären „Herumdoktern an Symptomen“

VdK-Experte Fischer sagte dem Evangelischen Pressedienst (epd), der enorme Anstieg beim Wohngeld sei ein „Spiegel in die Realität auf dem Wohnungsmarkt“ mit seinen erheblichen Mietsteigerungen. Die Steigerungen für die Sozialhilfe seien vor allem darauf zurückzuführen, dass Bewohnerinnen und Bewohner von Seniorenheimen wegen der hohen Eigenanteile Hilfe zur Pflege erhielten.

Fischer nannte reine Kürzungsdebatten ein „Herumdoktern an Symptomen“, das die jeweiligen Ursachen unberücksichtigt lasse. Im Falle des Wohngelds laute die Diagnose auf einen stark deregulierten Wohnungsmarkt, dem mit Veränderungen im Mietrecht beizukommen sei. In den Debatten um die Pflege gehe es oft um „kurzfristige Einsparungen, die auf lange Sicht hohe Kosten zur Folge hätten“. Erschwere man den Zugang zu unteren Pflegegraden, gehe deren vorbeugende Wirkung verloren, die etwa beispielsweise das Leben in der eigenen Häuslichkeit verlängerten und so Pflegeheimkosten einsparten.

Die Steigerungen im vergangenen Jahr, etwa beim Arbeitslosengeld 1, seien auch eine Folge der Wirtschaftskrise, erklärte Fischer. Insofern hätten konservative Politiker recht, wenn sie auf die Bedeutung von Wirtschaftswachstum verwiesen. Da der Sozialstaat aber ebenfalls ein Wirtschaftsfaktor sei, könne dessen Schleifung die Konjunktur zusätzlich beschädigen. Auch das Statistische Bundesamt erläuterte, dass die Entwicklung der Sozialleistungen nicht nur von deren gesetzlicher Ausweitung oder Kürzung abhänge, sondern auch etwa von der Situation am Arbeitsmarkt, der Erwerbsbeteiligung, der Höhe der Inflationsrate oder der demografischen Entwicklung der Bevölkerung.