Berlin (epd). Geflüchtete stoßen in Deutschland vor allem kurz nach ihrer Ankunft auf große Hürden beim Zugang zur Gesundheitsversorgung. Lange Wartezeiten, hohe Kosten und Entfernungen zum Arzt erschwerten eine rechtzeitige Behandlung, heißt es in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Grundlage sind Befragungen von insgesamt 11.189 Geflüchteten in den Jahren 2023 und 2024. „Wird medizinische Versorgung verzögert, verschlechtert das die Gesundheit und führt langfristig zu höheren Kosten im Gesundheitssystem“, warnte Studienautorin Louise Biddle.
Ein Viertel klagt über Wartezeiten
Mehr als ein Viertel der Geflüchteten berichtete laut der Erhebung von Verzögerungen bei Behandlungen wegen langer Wartezeiten. Unter Geflüchteten aus der Ukraine lag der Anteil bei rund 40 Prozent. Etwa 20 Prozent der kürzlich angekommenen Geflüchteten verzichteten aus finanziellen Gründen auf medizinische Leistungen. Rund jede zehnte befragte Person nannte weite Wege zu einer Praxis als Hindernis.
Gleichzeitig fällt es vielen Geflüchteten schwer, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden. Rund ein Drittel gab an, passende medizinische Hilfe nur schwer zu finden. Auch Informationen zu Vorsorge, Notfällen oder psychischen Problemen seien oft schwer verständlich.
Biddle fordert, Zugangshürden gezielt abzubauen. Nötig sei eine bessere Gesundheitskommunikation, etwa durch professionelle Sprachmittlung und Informationsangebote in einfacher Sprache. Zudem müssten die Terminvergabe und der Zugang zu Leistungen erleichtert werden. Kritik äußert die Studie an dem Vorhaben der Koalition, dass Geflüchtete aus der Ukraine künftig dem Asylbewerberleistungsgesetz unterliegen sollen. „Eine Beschränkung des Zugangs würde bestehende Versorgungslücken vergrößern.“



