Frankfurt a.M. (epd). Zur Eindämmung des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo fehlt es nach Einschätzung von Experten weiter an grundlegenden Hilfsmitteln. Es gebe noch nicht genügend Material, um die Schutzvorkehrungen in allen Krankenhäusern umzusetzen, sagte Tropenmedizinerin Gisela Schneider am Dienstag bei einer Videokonferenz von „Brot für die Welt“. „Deshalb kommt es im Moment auch noch zu vielen Infektionen, auch unter Gesundheitsmitarbeitenden.“ Auch sei nicht immer sichergestellt, dass die Menschen, die wegen einer vermuteten Ebola-Erkrankung oder aufgrund von Kontakten in Isolation sind, ausreichend mit Essen und Trinken versorgt seien.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat im Ostkongo bislang 101 Erkrankungen sowie zehn Todesfälle registriert und geht von über 900 Verdachtsfällen und 220 Toten aus. Die große Spanne zwischen bestätigten und vermuteten Infektionen liegt daran, dass es für die Bundibugyo-Variante, die für den aktuellen Ausbruch verantwortlich ist, keine Schnelltests gibt. Auch eine Impfung und gezielte Therapie gibt es nicht.
Kürzungen bei WHO wirken sich aus
Der Mangel bei der Bekämpfung des Ausbruchs liege auch an den massiven internationalen Kürzungen, betonte die Gesundheitsexpertin von „Brot für die Welt“, Julia Stoffner. Zwar habe die WHO vergleichsweise schnell reagiert. Allerdings fehlten ihr nach dem Austritt der USA ein Viertel des Budgets. Sie verfüge für dieses Jahr über 3,1 Milliarden US-Dollar, ähnlich viel wie das Budget der Berliner Charité 2025, sagte Stoffner. Auch Deutschland habe alle Zahlungen an die WHO außer dem Pflichtteil reduziert. „Es braucht eine Aufstockung der Mittel für globale Gesundheit“ - und Investitionen zur Bekämpfung vernachlässigter Krankheiten.
Bereits vor dem Ebola-Ausbruch habe im Ostkongo aufgrund eines jahrzehntelangen Krieges zwischen der Regierung und zahlreichen Rebellengruppen um die Kontrolle über die reichen Rohstoffvorkommen eine massive humanitäre Krise geherrscht, erläuterte Landesbüroleiter der Diakonie Katastrophenhilfe im Kongo, Josue Ibulungu. „Nur 30 Prozent des Hilfsbedarfs waren gedeckt.“ Derzeit suchten viele Organisationen nach Finanzierung für die Ebola-Bekämpfung. Es fehle an allem, Ärzte und Pfleger könnten die Menschen nicht angemessen versorgen, „auch die Nachverfolgung von Kontaktpersonen ist sehr schwierig.“
Erschwerend kommt laut Ibulungu hinzu, dass durch die Gewalt und die Maßnahmen gegen die Ebola-Ausbreitung das betroffene Gebiet kaum zugänglich ist. Der Flughafen der am meisten betroffenen Provinz Ituri sei geschlossen, die gute Straße, die über Ruanda und Uganda führe, wegen der Grenzschließungen nicht nutzbar und die verfügbare Straße führe durch Rebellengebiet.
Kirchen spielen entscheidende Rolle
Schneider zufolge führt die langjährige Kriegserfahrung dazu, dass Menschen den staatlichen Stellen nicht vertrauen. „Wir arbeiten hier in Communitys, die hoch traumatisiert sind durch 30 Jahre Unsicherheit, Armut, Ausbeutung“, sagte die ehemalige Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission (Difäm). So mache die Isolierung von Verdachtsfällen und Kontaktpersonen, die das effektivste Mittel der Bekämpfung sei, den Menschen große Angst.
Da sei ein sensibler Umgang mit dem Menschen nötig, wobei den Kirchen und kirchlichen Organisationen eine zentrale Rolle zukomme, sagte Schneider. „Ein Großteil der Gesundheitsversorgung in der Ituri-Region wird von den Kirchen geleistet.“ Und sie hätten das Vertrauen der Menschen. „Die Kirchen sind der Schlüssel, um die Epidemie einzudämmen.“



