Hamburg (epd). Die CDU-Politikerin Gitta Connemann kritisiert die Kirchen für deren ablehnende Haltung zur Widerspruchsregelung bei der Organspende. „Das kann ich nicht verstehen, ich akzeptiere es auch nicht“, sagte Connemann dem „stern“. Es müsse bei der Freiwilligkeit bleiben, aber man dürfe von allen Menschen eine Entscheidung über deren Bereitschaft zur Organspende verlangen. „Jetzt ist Schluss mit Abwarten und Verdrängen“, sagte die Bundestagsabgeordnete, die der evangelischen Kirche angehört.
Die CDU-Wirtschaftspolitikerin gehört zu einer fraktionsübergreifenden Abgeordnetengruppe, die im Bundestag für die Einführung der sogenannten Widerspruchsregelung wirbt. „Dann soll jeder, der 18 Jahre alt wird, ein Schreiben erhalten: Du hast die Entscheidung, aber solltest du dich nicht melden, verstehen wir dein Verhalten als Ja, und du wirst Organspender“, sagte Connemann für den am Dienstag online erschienen „stern“-Bericht.
Zu wenige Organspenden
Bisher gilt nur ein ausdrückliches Ja als Einverständnis für eine Organspende im Falle eines Hirntods. Evangelische und katholische Kirche sehen eine Umkehrung des bisherigen Prinzips kritisch.
Der Bundestag hatte zuletzt 2020 entschieden, an der Zustimmungsregelung festzuhalten, gleichzeitig aber breiter über Organspende zu informieren. Umfragen zeigen, dass die Spendebereitschaft der Menschen in Deutschland sehr hoch ist, viele ihre Zustimmung aber nicht dokumentieren. Im Online-Organspenderegister etwa haben nur rund 550.000 Bundesbürger ihren Willen dokumentiert. Die Zahl der Organspender ist im internationalen Vergleich niedrig und reicht bei Weitem nicht aus, den Bedarf zu decken.



