In der katholischen Kirche gibt es mehr Chefinnen

In der katholischen Kirche gibt es mehr Chefinnen
Viele katholische Bistümer in Deutschland beschäftigen mittlerweile mehr als ein Drittel Frauen in Führungspositionen. Die Bistümer setzen dabei auf Mentoring-Programme. Aber immer noch ist Luft nach oben.
23.05.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Frankfurt a.M. (epd). In vielen deutschen Bistümern steigt der Anteil von Frauen in Führungspositionen. Wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienst (epd) unter den 27 katholischen Diözesen ergab, sind in den meisten Bistümern mehr als 30 Prozent der Führungspositionen mit Frauen besetzt. So arbeiteten in 16 Bistümern mehr als 30 Prozent Frauen in leitenden Funktionen. In fünf Bistümern lag der Anteil unter 30 Prozent. 21 Bistümer schickten verwertbare Zahlen. Manche Bistümer fördern Frauen gezielt, etwa durch Mentoring-Programme.

Die katholischen Bischöfe hatten sich im November 2018 darauf geeinigt, den Anteil von Frauen in höheren Führungspositionen, die allen Laien offenstehen, binnen fünf Jahren „auf ein Drittel und mehr“ zu steigern. „Wir wären als Kirche verrückt, wenn wir auf die Begabung von Frauen verzichten würden“, sagte der damalige Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, 2017 nach Abschluss des ersten Mentoring-Programms in Kooperation mit dem Bonner Hildegardis-Verein. 260 weibliche Nachwuchskräfte haben seit 2016 davon profitiert.

Anstieg seit 2013

Eine Erhebung der Bischofskonferenz zeigte, dass bis 2023 in den oberen Leitungsämtern ein Frauenanteil von 28 Prozent erreicht wurde. Die obere Leitungsebene entspricht der Ebene unter dem Ortsbischof und seinem Stellvertreter, dem Generalvikar. Auf der mittleren Leitungsebene, also in Abteilungen oder Referaten, betrug der Anteil von Frauen in leitender Funktion 2023 bereits 34 Prozent.

Zehn Jahre zuvor - 2013 - waren in den deutschen Bistümern 13 Prozent der oberen Leitungsämter ohne Ordinariat mit Frauen besetzt, auf der mittleren Ebene 19 Prozent.

Im Bistum Würzburg wurde der Anteil fast verdoppelt

In den vergangenen Jahren haben viele Bistümer mehr Frauen in Führungspositionen befördert und liegen über der Zielmarke von 33,3 Prozent aus dem Jahr 2018. Im Bistum Würzburg hat sich der Anteil zwischen 2021 und 2026 auf nun 47,5 Prozent fast verdoppelt. Auch im Bistum Erfurt sind 9 von 19 Leitungsfunktionen mit Frauen besetzt (47,4 Prozent).

Im Bistum Münster arbeiten 37,4 Prozent Frauen in Leitungsjobs. Auch in Aachen, Bamberg, Hildesheim, Osnabrück, Limburg, Paderborn und München sind Führungspositionen mit mehr als einem Drittel Frauen besetzt. „Je mehr Frauen in einer Leitungsposition erlebt werden, desto leichter ist dies auch vorstellbar“, sagte Annette Jantzen vom Hildegardis-Verein, eine der Leiterinnen des Mentoring-Programms.

Auch ohne Weiheamt hohe Positionen

Was möglich ist, zeigt das Erzbistum München-Freising. Es war 2020 das erste deutsche Bistum, das die Stelle des Generalvikars geteilt und die Position einer Amtschefin geschaffen hat. Frauen können also auch ohne Weiheamt, das in der katholischen Kirche ausschließlich Männern vorbehalten ist, hohe Posten in der Verwaltung bekleiden. Es sei ein wichtiges Signal, dass die Kirche bei der Besetzung von Führungspositionen mit gutem Beispiel vorangehe, sagte die Münchner Amtschefin, Stephanie Herrmann.

Es gibt sogar Frauen, die die Hauptabteilung Seelsorge eines Bistums leiten. Und auch in den Kirchengemeinden ist es in einigen Bistümern, wie in Trier, möglich, administrative Leitungsfunktionen neben dem Pfarrer zu übernehmen.

Mit 26 Prozent fällt der Frauenanteil an Führungspositionen im Bistum Eichstätt vergleichsweise niedrig aus. Dort sind 16 von 61 solchen Positionen mit Frauen besetzt. In der gesamten Belegschaft liegt der Frauenanteil jedoch bei 66 Prozent. Das zeigt, dass Frauen in Führungspositionen trotz aller Fortschritte noch unterrepräsentiert sind.