Hannover (epd). Ab dem Schuljahr 2026/2027 wird in Niedersachsen schrittweise der neue, von evangelischer und katholischer Kirche gemeinsam verantwortete Religionsunterricht „Christliche Religion“ eingeführt. Mit dem bundesweit einmaligen Fach setze Niedersachsen ein wegweisendes Zeichen für Dialog, Kooperation und moderne religiöse Bildung, sagte Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) bei der Vorstellung der Lehrpläne am Freitag in Hannover.
Dankbar für das Erreichte äußerten sich auch die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track, und der Leiter des Katholischen Büros Niedersachsen, Prälat Felix Bernard. Lob kam von den Regierungsfraktionen von SPD und Grünen im Landtag.
Wachsende Pluralität in den Schulen
Das neue Fach wird von August an zunächst in den Klassen 1 und 5 unterrichtet und ersetzt in den darauffolgenden Jahren sukzessive an allen allgemeinbildenden Schulen den bisherigen evangelischen und katholischen Religionsunterricht. Damit reagiere das Land auch auf die wachsende konfessionelle, religiöse und weltanschauliche Pluralität in den Schulen, teilte das Ministerium mit. Der konfessionell getrennte Unterricht konnte zuletzt wegen zu geringer Nachfrage vielerorts nicht mehr angeboten werden.
Die neuen Kerncurricula stellen den Angaben zufolge die Lebenswirklichkeit junger Menschen stärker als bisher in den Mittelpunkt und setzen sie in Beziehung zu den christlichen Ressourcen und interreligiösen, gesellschaftlichen und interdisziplinären Perspektiven. Das Fach eröffne damit neue Räume für Dialog, Perspektivwechsel und Verständigung in einer vielfältigen Gesellschaft.
52 Prozent evangelisch oder katholisch
Im Schuljahr 2024/2025 nahmen nach Ministeriumsangaben rund 65 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen am evangelischen, katholischen oder konfessionell-kooperativ erteilten Religionsunterricht teil. Der Anteil der Schülerinnen und Schüler, die der evangelischen oder katholischen Kirche angehören, lag 2024 bei rund 52 Prozent. Rund 4.000 Kinder nehmen derzeit in Niedersachsen am islamischen Religionsunterricht teil.




