Berlin (epd). Seit der Rückeroberung Afghanistans durch die Taliban kehren nur wenige nach Deutschland geflohene Menschen freiwillig in das Land zurück. Wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken hervorgeht, verließen von 2023 bis März dieses Jahres gerade einmal 222 Menschen mit finanzieller Unterstützung des Staates Deutschland in Richtung Afghanistan. Acht Personen erhielten finanzielle Unterstützung, um in ein anderes Land zu gehen.
Wie aus dem Dokument hervorgeht, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt, sind die Antragsteller in der großen Mehrheit Männer. Es kehrten aber auch Frauen und minderjährige Kinder mit finanzieller Unterstützung nach Afghanistan zurück. Nach Afghanistan abgeschoben wurden seit dem Amtsantritt der schwarz-roten Bundesregierung 138 Personen. Betroffen waren davon ausschließlich Männer, die wegen Straftaten verurteilt wurden.
Förderung über Bund-Länder-Programm seit 2025
Seit 2025 werden freiwillige Ausreisen nach Afghanistan durch ein Bund-Länder-Programm wieder gefördert. 88 Ausreisen wurden seitdem darüber unterstützt. In den Jahren davor gab es die Möglichkeit, sich Kosten einer Ausreise anteilig finanzieren zu lassen.
Seit 2025 fördert der Staat auch freiwillige Ausreisen nach Syrien. Bis Ende Februar hatten laut Bundesamt für Migration und Flüchtlinge rund 4.500 Menschen davon Gebrauch gemacht. Geld gibt es dabei für Reisekosten, eine Starthilfe und gegebenenfalls Kosten für medizinische Behandlungen.
Linke: „Geförderte Ausreisen meist unter großem Druck“
Die Linken-Politikerin Clara Bünger, zuständig für Flüchtlingspolitik in ihrer Fraktion, kritisiert die geförderten Ausreisen. „Häufig ist von freiwilliger Rückkehr die Rede, doch in Wirklichkeit erfolgen finanziell geförderte Ausreisen meist unter großem Druck“, sagte sie. Die Unterstützung sei zudem „viel zu gering, um in einem Land wie Afghanistan, in dem die Wirtschaft am Boden liegt und mehr als 17 Millionen akut Hunger leiden, ein sicheres und würdiges Leben aufzubauen“.




