Maintal (epd). Der Verein demokratischer Ärztinnen und Ärzte sieht strukturelle Ursachen für sexualisierte Gewalt und Diskriminierungen im Medizinbetrieb. Bereits im Studium und insbesondere in Krankenhäusern prägten autoritäre Verhältnisse den Arbeitsalltag, teilte der Verein mit Sitz im hessischen Maintal am Dienstagabend mit.
Die vielen Vorfälle in der Medizin seien unter anderem „mit dem extremen Machtgefälle und steilen Hierarchien zu erklären“, kritisierte der Verein. Sichere, gesunde und emanzipierte Kooperation der medizinischen und pflegerischen Berufsgruppen werde durch eine „undemokratische Organisation der meisten Strukturen des Gesundheitswesens“ erschwert, Machtmissbrauch werde so begünstigt.
Beispielsweise seien Ärztinnen und Ärzte in Weiterbildung persönlich stark abhängig von ihren Vorgesetzten. Im ambulanten Sektor dominierten Einzelpraxen mit persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen und ökonomischer wie beruflicher Hierarchie.
Kritik an Kürzungspolitik
Ökonomisierung und Kürzungspolitik verschärften das Problem, hieß es weiter. Permanenter Stress, Überforderung und die grenzüberschreitende Selbstausbeutung belasteten die sozialen Beziehungen. Es mangele an Zeit, um Verhalten zu besprechen und zu reflektieren.
Der Verein empfahl die Einrichtung unabhängiger Meldestrukturen. Es brauche vor allem demokratische Strukturveränderungen im Medizinbetrieb, um Abhängigkeitsverhältnisse zu verringern.
Eine Umfrage der Ärzteorganisation Marburger Bund hatte zuvor ergeben, dass drei Viertel der Befragten in den vergangenen zwölf Monaten sexuelle Belästigung erlebt hatten. Beim Deutschen Ärztetag in Hannover in der vergangenen Woche hatten Medizinstudentinnen über sexualisierte Gewalt und Grenzüberschreitungen berichtet.
Der Verein ist ein ärztlicher Berufsverband, der sich als „progressive Alternative“ zu standespolitisch orientierten Ärzteverbänden sieht.




