Unicef: Deutschland vergibt bei Kindern Zukunftschancen

Unicef: Deutschland vergibt bei Kindern Zukunftschancen
Beim Wohlbefinden von Kindern liegt Deutschland in einem internationalen Vergleich von Unicef auf Platz 25 von 37. Die Bekämpfung von Kinderarmut müsse politische Priorität werden, fordert das UN-Kinderhilfswerk.

Köln (epd). Unicef Deutschland kritisiert die Bundesrepublik für den Umgang mit benachteiligten Kindern. „Unser Land vergibt Zukunftschancen“, erklärte der Geschäftsführer des deutschen Ablegers des UN-Kinderhilfswerks, Christian Schneider, am Sonntag in Köln. „Wer heute nicht in die Teilhabe, die Bildung und die gesundheitliche Versorgung der jüngsten Generation investiert, schadet nicht nur den Kindern, sondern zahlt morgen einen hohen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Preis.“ Die Bekämpfung von Kinderarmut müsse „politische Top-Priorität“ werden.

In einem Anfang der Woche veröffentlichten Bericht des Unicef-Forschungsinstituts Innocenti zum Wohlbefinden von Kindern in wohlhabenden Ländern belegt Deutschland Platz 25 von 37. Auf den vorderen drei Plätzen liegen die Niederlande, Dänemark und Frankreich. Zur Einordnung blickt der Bericht auf die physische und mentale Gesundheit sowie die erworbenen Fähigkeiten der Kinder.

Kinder aus wohlhabenden Familien mit mehr Kompetenzen

„Alarmierend ist auch Deutschlands Abschneiden im Bereich Bildung: Nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik“, mahnte Unicef Deutschland. Dabei seien die Unterschiede zwischen Jugendlichen aus sozioökonomisch benachteiligten und aus privilegierten Familien besonders groß. So erzielten nur 46 Prozent der Jugendlichen aus benachteiligten Familien die grundlegenden Kompetenzen, bei Jugendlichen aus privilegierten Familien seien es 90 Prozent.

Unicef Deutschland fordert von der Bundesregierung eine finanzielle Absicherung benachteiligter Kinder und Familien. Schulen, Kitas und eine bessere Gesundheitsversorgung sollten gezielt gefördert werden. „Benachteiligte Wohnviertel sollten kindgerecht gestaltet und Kooperationen zwischen Kinder- und Jugendhilfe sowie Schulen gestärkt werden“, unterstrich das Hilfswerk. Auch brauche es auf Bund- und Länderebene Kinderbeauftragte, damit „die Meinung und die Perspektiven von Kindern in der politischen Willensbildung eine größere Rolle spielen“.