Merz: "Muss meine Kommunikation verbessern"

Merz: "Muss meine Kommunikation verbessern"
Vor jungen Katholikinnen und Katholiken zeigt sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ungewohnt selbstkritisch. Er müsse seine Kommunikation verbessern. Er wolle der Bevölkerung, gerade den Jungen, die Zukunftsangst nehmen - Buh-Rufe kamen dennoch.
15.05.2026
epd
Von Franziska Hein (epd)

Würzburg (epd). Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat fehlende Fortschritte bei der Lösung politischer Probleme eingeräumt. Zur Demokratie gehöre zwar Streit, sagte der Bundeskanzler am Freitag in Würzburg beim Katholikentag. Der Streit müsse aber zu Ergebnissen führen. „Und vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse“, sagte Merz mit Blick auf die Reibereien in der schwarz-roten Koalition etwa zur Krankenkassenreform. Auch in Bezug auf seinen persönlichen kommunikativen Stil zeigte Merz sich selbstkritisch.

Der Regierungschef stellte sich auf dem katholischen Laientreffen, das noch bis Sonntag in Würzburg stattfindet, den Fragen junger Menschen. Zu ihnen gehörte auch Lisa Quarch, Geistliche Leiterin des Bunds der Deutschen Katholischen Jugend. Quarch sagte, sie sehe die Gefahr, dass Politikverdrossenheit und politische Radikalisierung unter jungen Menschen zunähmen, wenn sie im politischen Diskurs wenig Gehör fänden. „Wir bemühen uns nicht darum, das Argument des anderen 'zu retten'“, sagte sie in Anspielung auf ein Zitat von Ignatius von Loyola, Gründer des katholischen Jesuitenordens. Es sei auch in der Politik wichtig, einander zuzuhören und ernstzunehmen.

Proteste im Saal

Merz gab ihr Recht und sagte: „Wir wollen und wir müssen den Beweis erbringen, dass wir in der politischen Mitte unseres Landes trotz aller Ausdifferenzierungen des politischen Spektrums Probleme lösen können.“ Stabilität nach innen und außen zu bewahren, sei seine wichtigste Aufgabe als Bundeskanzler, sagte Merz.

Vor dem Veranstaltungsort, dem Congress Centrum in Würzburg, demonstrierten schon am Morgen einige Hundert Menschen gegen den Auftritt des Bundeskanzlers. Aufgerufen dazu hatte unter anderem das „Offene Antifaschistische Treffen“. Auch im Saal kam es während Merz' Auftritt zu Protesten. Zwei junge Frauen, die für mehr Klimaschutz eintreten, mussten laut Berichten den Saal verlassen, nachdem die Podiumsdiskussion mehrfach gestört wurde.

Selbstkritische Töne von Merz

Merz sagte: „Wir sind heute zu sehr im Katastrophenmodus.“ Es gebe viele Herausforderungen und Konflikte, etwa in der Ukraine und im Mittleren Osten. Er wolle aber versuchen, dem Land trotz dieser Herausforderungen „den Optimismus zu geben, dass wir es hinbekommen können“. Ihm gelinge es offensichtlich nicht, die Menschen im Land gut genug zu erreichen und zu überzeugen. „Ich weiß, dass ich in meiner Kommunikation etwas verbessern muss, damit diese Botschaft besser verstanden wird“, sagte er.

Er wolle versuchen, den Menschen die Zukunftsangst zu nehmen. Es gebe wenige Länder auf der Welt wie Deutschland, die „so großartige Chancen haben“ - auch und gerade für junge Menschen. Dafür erhielt er Applaus aus dem Publikum. „Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen und dort ausgebildet zu werden und zu arbeiten“, fügte er hinzu.

„Wir erleben eine so tiefe Zäsur, dass wir möglicherweise erst in einigen Jahren wirklich verstehen werden, was wir erleben“, sagte der Katholik. Frieden und Freiheit in Europa seien nicht selbstverständlich. Er wolle vor allem Freiheit und Frieden in Deutschland und in Europa erhalten, betonte er.