Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg gestorben

Holocaust-Überlebender Albrecht Weinberg gestorben
Trauer um Albrecht Weinberg: Im Alter von 101 Jahren starb der Holocaust-Überlebende im ostfriesischen Leer. Seine Lebensgeschichte sei "eine Mahnung für uns und die nachfolgenden Generationen", schrieb Bundespräsident Steinmeier.
12.05.2026
epd
Von Karen Miether und Moritz Elliesen (epd)

Leer (epd). Der Holocaust-Überlebende Albrecht Weinberg ist tot. Der 101-Jährige sei am Morgen „ganz ruhig und friedlich“ in seiner Wohnung im ostfriesischen Leer „eingeschlafen“, bestätigte seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas am Dienstag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Albrecht Weinberg ist als Zeitzeuge vielfach geehrt worden. Unter anderem erhielt er das Bundesverdienstkreuz, das er aber aus Protest gegen politische Entwicklungen in Deutschland im vergangenen Jahr zurückgab.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier würdigte Weinberg in einem Kondolenzschreiben. Als Überlebender der Schoah habe sich Weinberg „unermüdlich für Freiheit und Demokratie eingesetzt und unserem Land Versöhnung geschenkt“, schrieb Steinmeier: „Dafür ist ihm unser Land zutiefst dankbar.“

Späte Rückkehr in die ostfriesische Heimat

Albrecht Weinberg wurde als Sohn einer jüdischen Familie am 7. März 1925 im ostfriesischen Rhauderfehn geboren. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz, Mittelbau-Dora, Bergen-Belsen und mehrere Todesmärsche. Seine Familie wurde von den Nazis fast vollständig ermordet. Er selbst wanderte in die USA aus, kehrte jedoch 2012 zusammen mit seiner Schwester zurück in seine ostfriesische Heimat. Seitdem berichtete er vor Schulklassen unermüdlich von den Schrecken des Nationalsozialismus. In seinem Geburtsort Rhauderfehn ist eine Schule nach ihm benannt. Er ist unter anderem Ehrenbürger der Stadt Leer.

Die Lebensgeschichte des Holocaust-Überlebenden bezeichnete Steinmeier als „eine Mahnung für uns und die nachfolgenden Generationen“. Sein unermüdlicher Einsatz in Schulen, wo er jungen Menschen von seinem Schicksal erzählte, sei zutiefst beeindruckend gewesen.

Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes

Steinmeier ging auch auf die Rückgabe des Bundesverdienstkreuzes durch Weinberg im vergangenen Jahr kurz vor dessen 100. Geburtstag ein. Weinberg wollte mit der Entscheidung dagegen protestieren, dass vor dem Regierungswechsel in Berlin die Unionsparteien im Bundestag mit den Stimmen der AfD einen Antrag zur Verschärfung der Migrationspolitik durchgebracht hatten. Dazu schrieb Steinmeier: „Seine Entscheidung war schmerzhaft, doch er gab uns allen die Aufgabe mit auf den Weg, uns mit aller Kraft für unsere Demokratie einzusetzen.“

Auch der Oberbürgermeister der Stadt Leer, Claus-Peter Horst, äußerte sich bestürzt über den Tod Weinbergs. „Seit seiner Rückkehr aus New York in seine ostfriesische Heimat vor 14 Jahren hat Albrecht unermüdlich und mit einer unvorstellbaren Energie von seinen schrecklichen Erlebnissen während des Nationalsozialismus berichtet und immer wieder vor dem Vergessen gewarnt“, erklärte Horst.