Berlin, Montevideo (epd). Die Demokratien in Lateinamerika sind zunehmend gefährdet. Dies geht aus einer Studie des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) hervor, die am Montag (Ortszeit) vorgestellt wurde. Knapp 65 Prozent der Bevölkerung lateinamerikanischer Staaten und der Karibik sei zunehmend unzufrieden mit dem Zustand der Demokratie, erklärte die UNDP-Direktorin für die Region, Michelle Muschett, in der uruguayischen Hauptstadt Montevideo. 1995 lag der Wert bei rund 56 Prozent.
Die demokratischen Institutionen zeigten Mängel bei der Bewältigung aktueller Krisen. Das untergrabe deren Legitimität und fördere autoritäre Tendenzen, kritisierte Muschett. Die Autorinnen und Autoren des Berichts sehen vor allem eine zunehmende Polarisierung, unzureichende Informationen über soziale Medien, eine zu starke Machtkonzentration bei wirtschaftlich starken Gruppen und ungelöste soziale Probleme, wie Kriminalität und Armut, als Ursprung des Problems.
25 Prozent ist Regierungsform egal
Einem Viertel der Bevölkerung ist es dem Bericht zufolge egal, in welcher Regierungsform sie regiert werden, solange die akuten Probleme gelöst würden. 1995 lag der Wert noch bei rund 16 Prozent. Heute zeigen sich 16,4 Prozent demnach positiv gegenüber einer autoritären Regierung. Dieser Wert ist allerdings einigermaßen gleich geblieben seit den 1990er Jahren.
Das Entwicklungsprogramm ruft die Länder auf, mehr Formen der Beteiligung zu öffnen, den „Einfluss der Wirtschaftsmacht“ zu kontrollieren und staatliche Präsenz auszubauen. „Wenn sich Länder wirtschaftlich und sozial entwickeln, der Staat gestärkt und die Demokratie ausgebaut wird, findet eine positive gegenseitige Förderung statt“, erklärte Muschett. Dies habe in der Vergangenheit dazu geführt, dass Lateinamerika eine der demokratischsten Regionen der Welt ist. Allerdings sei diese Entwicklung in den vergangenen zwei Jahrzehnten zunehmend ins Stocken geraten.
In Lateinamerika leben laut UNDP vier von fünf Personen unter demokratisch gewählten Regierungen. Gleichzeitig gehört der Subkontinent zu den ungleichsten Regionen der Welt. Zahlreiche Spitzenpolitiker der Region sind reiche Unternehmer.




