Berlin (epd). Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) sieht die Entwicklungspolitik vor großen Herausforderungen. „Die globale Entwicklungspolitik erlebt einen massiven Umbruch“, sagte Alabali Radovan der „Rheinischen Post“ (Samstag). Wichtige Akteure orientierten sich neu. So betreibe China Entwicklungszusammenarbeit als „knallhartes Geschäft“. Auch die USA gingen seit der Zerschlagung ihrer Entwicklungsbehörde USAID Anfang 2025 „mehr in Richtung Deals mit schneller Eigenrendite“.
Ihr sei das zu kurz gedacht. „Es ist wichtig, dass wir auf Stabilität, Resilienz und Prävention setzen“, unterstrich Alabali Radovan. Wenn der Ausbruch von Pandemien in anderen Teilen der Welt verhindert werde, Geflüchteten in ihrer Heimatregion Perspektiven verschafft oder faire Wirtschaftskooperationen gestärkt würden, „dann nützt das ja eben immer auch unserer Sicherheit und unserer Wirtschaft“.
Warnung vor Folgen des Iran-Krieges
Die SPD-Politikerin warnte zudem vor den weltweiten Folgen der Blockade der Straße von Hormus, „besonders für ärmere Länder im Globalen Süden“. Grundnahrungsmittel würden dort für viele Menschen unbezahlbar und fehlender Dünger gefährde die nächste Ernte. Jeder weitere Tag der Blockade mache die Lage schlimmer, sagte Alabali Radovan: „Deshalb müssen alle diplomatischen Bemühungen darauf gerichtet sein, die Situation zu lösen.“
Seit Beginn des Iran-Krieges ist der Schiffsverkehr in der Straße von Hormus faktisch blockiert. Die Meerenge zwischen dem Iran und Oman ist eine weltweit wichtige Lieferroute für Öl, Gas und auch Düngemittel.
Kürzungen im Entwicklungsetat
Die Kürzungen im deutschen Entwicklungshaushalt bezeichnete die Ministerin gerade vor dem Hintergrund des Iran-Krieges sowie des Rückzugs der USA als Geber als „sehr schmerzhaft“. Laut den kürzlich vorgestellten Eckwerten für den Haushalt 2027 soll der Etat im kommenden Jahr um knapp 600 Millionen Euro auf rund 9,5 Milliarden Euro sinken. Damit würde er das fünfte Jahr in Folge schrumpfen und seit 2022 um knapp ein Drittel zurückgehen.




