Frankfurt a.M. (epd). Die Zukunft der Gesellschaft wird nach Aussage des Frankfurter Soziologen Florian Butollo von einem Mangel an Arbeitskräften geprägt sein. Zeiten der Massenarbeitslosigkeit wie in den 1990er Jahren hätten die Menschen übersehen lassen, dass „die langfristige Tendenz eine Ausweitung von Erwerbsarbeit ist“, sagte der Experte für Digitale Transformation und Arbeit an der Goethe-Universität dem Evangelischen Pressedienst (epd). Große Treiber der Beschäftigung seien die Digitalisierung und die zunehmende Sorgearbeit, vor allem infolge der Alterung der Gesellschaft. Auch die ökologische Krise mache Arbeit.
Der Wissenschaftler erwartet einen „strukturellen Arbeitskräftemangel, weil aufgrund des demografischen Wandels das Angebot an Arbeitskraft zurückgeht“. Schon jetzt seien viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überlastet aufgrund der Doppelbelastung in der Erwerbsarbeit und in der privaten Sorgearbeit. In Zukunft steige der Aufwand zusätzlich, sich um die Alten, die Kinder und die Kranken zu kümmern. Zwar werde in Aussicht gestellt, dass die Künstliche Intelligenz (KI) das lösen werde. Doch das sei in der Regel ein falsches Versprechen, sagte Butollo.
„Traditionelle Skills“ bleiben wichtig
So werde seit vielen Jahren über Pflegeroboter debattiert, die Pflegekräfte entlasten sollen, doch in der Praxis passiere wenig. Pflegerobotik sei allenfalls eine Assistenztechnologie. „Es wird die eigentliche Quelle der Überlastung nicht lösen, nämlich dass wir viel zu wenig Leute haben, die in dem Bereich arbeiten.“ Der Pflegeroboter werde regelmäßig von Politik und Start-ups in Szene gesetzt, um den gesellschaftlichen Nutzen der Digitalisierung zu unterstreichen, schreibt Butollo in seinem aktuellen Buch „Das knappe Gut Arbeit“.
Im Hinblick auf den Arbeitsmarkt könnten die Menschen gelassen in die Zukunft blicken, ermutigte der Soziologe. Auch „traditionelle Skills“ blieben am Arbeitsmarkt wichtig.
Selbstgenügsamer wirtschaften
Allerdings bleibe die Frage, wie es gelingen könne, als Gesellschaft wieder positiv in die Zukunft zu blicken. „Meines Erachtens liegt ein großer Grund für die politische Polarisierung darin, dass uns jegliche Vorstellung einer positiven Zukunft abhandengekommen ist, vor allen Dingen aufgrund des Klimawandels.“
Der Soziologie-Professor riet: „Wir müssten überlegen, unsere Wirtschaftsweise selbstgenügsamer zu machen und bestimmte Sachen auch bleibenzulassen.“ Er nannte als Beispiele Influencer, die den Fast-Fashion-Trend mit Wegwerfmode anheizen oder Innovationsarbeiten, die neue Produktgenerationen möglichst schnell auf den Markt bringen wollten. „Alles, was auf Eroberung von Märkten um jeden Preis abzielt“, solle besser unterbleiben, sagte Butollo.




