Lauterbach für Widerspruchslösung bei Organspende

Lauterbach für Widerspruchslösung bei Organspende
Aus Sicht von Ex-Gesundheitsminister Lauterbach sollte man aktiv widersprechen müssen, wenn man nach seinem Tod nicht als Organspender zur Verfügung stehen will.

Düsseldorf (epd). Der ehemalige Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wirbt für die sogenannte Widerspruchsregelung bei der Organspende. Der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Donnerstag) sagte Lauterbach: „Es ist nicht zu viel verlangt, wenn diejenigen, die keine Organe spenden wollen, sich in eine vorhandene sichere Datenbank als Nicht-Spender eintragen lassen.“ Wer im Bedarfsfall bereit wäre, ein Spenderorgan zu erhalten, sei eines Erachtens auch moralisch in der Pflicht, ein potenzieller Spender zu sein.

Eine Gruppe von Bundestagsabgeordneten über Fraktionsgrenzen hinweg fordert eine grundlegende Neuregelung der Organspende in Deutschland. Eine andere Gruppe hingegen will an der bisherigen Regelung im Grundsatz festhalten. Derzeit dürfen nach dem Tod eines Menschen Organe nur dann zum Zweck einer Spende entnommen werden, wenn man selbst oder nächste Angehörigen zugestimmt haben. Bei der Widerspruchsregelung würde gelten, dass Organe entnommen werden dürfen, außer es liegt ein Widerspruch vor.

Zustimmung vielfach nicht dokumentiert

Lauterbach sagte, in den vergangenen Jahren seien Tausende Menschen in Deutschland gestorben, als sie auf ein Spenderorgan gewartet haben. „Dazu kommt das unnötige medizinische Leid der Betroffenen auf den Wartelisten und die Unsicherheit und das Leid ihrer Kinder, Eltern oder Partner“, argumentierte der SPD-Politiker.

Der Bundestag hatte zuletzt 2020 entschieden, an der Zustimmungsregelung festzuhalten, gleichzeitig aber breiter über Organspende zu informieren. Umfragen zeigen, dass die Spendebereitschaft der Menschen in Deutschland sehr hoch ist, viele ihre Zustimmung aber nicht dokumentieren. Im Online-Organspenderegister etwa haben nur rund 550.000 Bundesbürger ihren Willen dokumentiert. Die Zahl der Organspender ist im internationalen Vergleich niedrig und reicht bei Weitem nicht aus, den Bedarf zu decken.